24.05.2010 0
Immobilien: Der Markt im Süden bleibt instabil, zeigt aber Erholung gegenüber dem Krisenjahr 2008
Die Preise bröckeln weiter
Erstmals seit den Boom-Jahren von 2006 und 2007 ist der Durchschnittspreis für einen Quadratmeter Neubauwohnung im Departement Alpes-Maritimes unter die Marke von 5000 Euro gesunken. Statistiken haben natürlich ihre Tücken, wie der Immobilien-Bericht der Industrie- und Handelskammer (CCI) Nizza vom Frühjahr 2010 zeigt.
Teuerstes Pflaster an der Côte d’Azur bleibt nach wie vor der Küstenstreifen zwischen Nizza und Menton. Dort werden für die raren Neubauten (2009 sind gerade 236 Einheiten verkauft worden) immer noch im Schnitt 6575 Euro pro Quadratmeter fällig. Cannes ist mit einem Preis von 5739 Euro pro Quadratmeter schon günstiger, der kleine Streifen zwischen Grasse und dem Mittelmeer ist mit einem Durchschnittspreis von 4003 Euro pro Quadratmeter fast schon ein Schnäppchen.
Erstaunlich in der Krisenzeit, dass die Region mit dem Namen «Pôle Azur 2009», zu der außer der Parfümstadt auch Mouans-Sartoux oder Auribeau gehört, sogar einen neuen Rekord mit dem Verkauf von 335 Wohnungseinheiten aufgestellt hat.
Verantwortlich für diesen Erfolg ist für die Industrie- und Handelskammer Nizza das Scellier-Gesetz (die RCZ berichtete ausführlich), das mit staatlich garantierten Steuererleichterungen dafür sorgte, dass sich der Verkauf von Neubauwohnungen nach dem schlimmen Krisenjahr 2008 wieder einigermaßen erholt hat.
Das gilt vor allem für den Großraum Nizza, in dem 2009 fast doppelt so viele neue Wohnungen wie 2008 verkauft wurden. Cannes und die nähere Umgebung sehen nur neidisch auf den großen Nachbarn: Mit 403 Neubauwohnungsverkäufen liegt das Kongresszentrum an der Croisette meilenweit hinter den Rekordzahlen von 2003 (1520 Verkäufe) oder 1999 (1183 Verkäufe).
Dabei sind die Voraussetzungen, Eigentum zu erwerben, so günstig wie schon lange nicht mehr. Wer 1000 Euro pro Monat abzahlen kann, darf mit einem Kredit in Höhe von 190 000 Euro spekulieren, weil die Zinsen auf ein historisches Tief von unter 3,5 Prozent gesunken sind.
Aber ein Paar mit einem Kind, das sich eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 60 Quadratmetern in den Alpes-Maritimes zulegen will, muss trotzdem ein steuerliches Monatseinkommen in Höhe von gut 4600 Euro nachweisen, wenn es bei der Bank kreditwürdig sein will.
Die Eigentümer, die schon vor zehn Jahren ihr Geld in Immobilien angelegt haben, sind trotz der Krise auch heute noch Gewinner: Im Vergleich zu 1999 hat sich der Wert ihrer Wohnung oder ihres Hauses nach der Statistik der Industrie- und Handelskammer Nizza glatt verdoppelt. Sie konstatiert in den letzten zehn Jahren eine Erhöhung des Durchschnittspreises pro Quadratmeter von 2460 auf 4938 Euro. Dabei hat die weltweite Wirtschaftskrise auch hier Spuren hinterlassen: Im Spitzenjahr 2007 lag der Quadratmeterpreis bei 5443 Euro im Departement Alpes-Maritimes.
Wie die gesamte Weltwirtschaft hofft der Immobilienmarkt in Südfrankreich auf bessere Zeiten. Bestes Zeichen: Ende April hat Laurent Dutruch eine erste Immobilienmesse im neuen Kongresszentrum von Mandelieu mit rund 70 Ausstellern organisiert, die sich ausschließlich um den Markt an der Côte d’Azur kümmern. Peter Bausch
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