30.11.2011 0
Immobilien: Auch wenn das Immobiliengeschäft an der Côte etwas schwächelt – die Preise geben nicht nach
Markt bleibt lukrativ
«Der Markt ist gesund, aber zerbrechlich», sagte der Präsident des Observatoire Immobilier d’Habitat Côte d’Azur, Jérôme Renaud, auf einer Tagung in Nizza über die Trends von Januar bis Juni.
So sind heute zwar mehr Villen und Wohnungen auf dem Markt als in den vergangenen zehn Jahren, aber in Nizza beispielsweise wurden drei Prozent weniger Immobilien verkauft. Das ist im Vergleich zu Restfrankreich noch immer eine sehr gute Zahl, aber doch alarmierend für die verwöhnten Investoren und Käufer an der Riviera.
Trotzdem bleibt die Côte d’Azur einzigartig: Außerhalb der hochpreisigen europäischen Hauptstädte kann wohl kaum eine Region mit dem Häuser-Markt an der Riviera mithalten. Hier finden sich geballt herrschaftliche Villenviertel und luxuriöse Appartements mit Blick auf das azurblaue Mittelmeer. Weil hier die Sonne jährlich doppelt so viele Stunden scheint wie in einer durchschnittlichen nordeuropäischen Stadt, das Meerbaden ebenso lockt wie eine Wanderung in den angrenzenden Alpen und zudem die Riviera politisch stabil und sicher ist, konnte die weltweite Krise der Region kaum etwas anhaben. Noch immer sind die Käufer zahlreich und das Angebot gering. Auch das Interesse von Ausländern an einem Zweitwohnsitz an der Côte d’Azur ist laut Renaud immer noch sehr hoch.
1000 Euro mehr pro m2
Auch deshalb kostet ein Quadratmeter in Nizza rund 1000 Euro mehr als in vergleichbaren französischen Städten wie Montpellier, Bordeaux oder Toulouse: Inzwischen hat der Quadratmeterpreis für einen Neubau die magische Grenze von 5000 Euro überschritten, für einen Altbau sind es immerhin noch rund 4000 Euro. «Diese Preise überziehen das Budget einer normalen Familie mit zwei Verdienern inzwischen deutlich», so Renaud. Deshalb behelfen sich Bewohner der teuren Küstenstädte inzwischen mit einer Finanzierung auf Umwegen: Sie kaufen und vermieten eine Wohnung im Hinterland, um auf ihr Eigentum an der Côte zu sparen.
Die hohen Preise werden voraussichtlich bleiben. Denn an eine schwer wiegende Krise glaubt kein Marktkenner ernsthaft. Auch wenn das Wachstum ein wenig einbrechen mag – der Häusermarkt an der Côte d’Azur wird lukrativ bleiben. Dies gilt vor allem für die Städte an der Küste. Denn entscheidend für anhaltend hohe Preise ist der begrenzte Platz an der Riviera: Im Süden beschränken das Meer, im Osten die Alpenausläufer und Naturschutzgebiete den Baugrund.
«Wir bräuchten jährlich 1500 neue Objekte in Nizza, wir haben aber nur rund 900», sagte Cyrille Nottet, Präsident der Vereinigung der Bauträger Côte d’Azur. Nizzas Umland benötigte seiner Meinung nach 3000 Angebote statt der aktuellen 2500.
Steuerreform bremst den Markt
Die Expertenrunde war sich einig darin, dass der Staat sich mehr für den Wohnungsmarkt engagieren solle. «Die vergangenen Reformen des Loi Scellier sind eine Katastrophe», so Jérôme Renaud. Das Gesetz erlaubte Investoren, 25 Prozent der Kaufsumme ihres Eigentums von der Steuer abzusetzen, im kommenden Jahr werden es nur noch 18 Prozent sein. Außerdem steigt die Steuer auf den Mehrwert der Immobilien. «Der Staat bremst einen Markt, der ohnehin schon in Schwierigkeiten ist», kritisierte Renaud.
Tatsächlich aber konnten sich die Akteure am Markt in den vergangenen zehn Jahren nicht beklagen: Seit 2000 sind die Quadratmeterpreise um 140 Prozent gestiegen, die Mieten um rund 30 Prozent. Auch eine kleine Delle kann diese strahlende Bilanz kaum trüben.
Annika Joeres
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