20.08.2010 0
Immobilien: Der französische Staat verkauft seine Immobilien, um den Haushalt zu sanieren
Wohnen im Leuchtturm?
Schlösser, Villen und Stadtpalais sollen unter den Ojekten sein. Die Liste ist lang und kann im Internet unter www.budget.gouv.fr/cessions eingesehen werden.
Meist handelt es sich um Allerweltsobjekte, Büro- und Wohnbauten, doch gelegentlich gibt es auch wirklich Originelles: Ein Schrankenwärterhäuschen in Menton oder ein Leuchtturmwärterdomizil mit Blick auf den Feuerträger (derselbige steht jedoch nicht zum Verkauf) in Vallauris, eine Kaserne in Roquebrune-Cap-Martin, eine weitere in Breil sur Roya und – man mag es kaum glauben – sogar einen Tunnel in Saint-Jeannet. «Wir wollen zu Marktpreisen verkaufen», bekräftigt Gérald Demay, Direktor des Pôle Gestion Publique jüngst auf einer Pressekonferenz. Es kann auch eine Villa mit herrlichem Meerblick in Cannes sein, allerdings in erbärmlichem Zustand und direkt neben der Eisenbahn, vielleicht etwas für begüterte Eisenbahnfans.
Die Immobilien werden durch notarielle Versteigerungen (Häuser und Villen) sowie öffentliche Ausschreibungen (für gewerbliche Flächen und Baugelände) auf den Markt gebracht.
Wie kommt der Staat dazu? Eigentlich ganz banal: Er hat seinerzeit selbst gebaut und viele Gebäude, Villen und Leuchttürme werden nicht mehr benötigt. In anderen Fällen hat er – mit oder gegen seinen Willen – «geerbt». Vermächtnisse, Schenkungen, Beschlagnahmen wegen nicht gezahlter Steuern haben ihm den Besitz zugeführt.
Präsident Sarkozy hat nun den Verkauf des Staatseigentums forciert, um die laufenden Kosten ungenutzter Objekte zu reduzieren. Und weil der Staat auch die eigene Verwaltung – trotz der dann unvermeidlichen Streiks – durchrationalisiert, braucht er weniger Büroraum. Jüngstes Beispiel: die Zusammenlegung von Schatzamt (Trésor) und Finanzamt, was zu Auflösung und Verkauf des Finanzamtes in der Rue Durante in Nizza führen wird. Doch damit nicht genug. Haben französischen Staatsdiener bisher oft 15 bis 20 Quadratmeter große Büros, sollen sie künftig im Schnitt nur noch 12 Quadratmeter dienstlich «besetzen».
Wer Zeit und Geld hat, sollte auf einen Leckerbissen in Cap d'Ail spekulieren. Hier wartet die Villa eines etwas windigen und verschwundenen Ex-Geschäftsmanns (Villa mit zahlreichen Nebengebäuden direkt an der Küste) auf die Versteigerung. Der geschätzte Preis liegt bei 15 Millionen Euro. Der Nachteil: Erst müssen sich die Stadt und der Staat (Finanzverwaltung) einigen, wer nun versteigern darf. Denn beide haben Forderungen an den Ex-Eigentümer.
Jörg Langer
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