21.08.2010 0

Gourmet: Eine Deutsche macht ihren Traum im Var wahr

Café mit Ausblick

Zuerst war da nur der Wunsch, die geerbte, verfallene Bastide zum neuen Zuhause zu machen, das pulsierende Hamburg gegen die tiefste Provence einzutauschen. Als das Haus dann grundrenoviert war und der riesige Garten Form angenommen hatte, reifte in Stefanie Savary der Gedanke: «Hier mache ich ein Café auf!»

Café
Das Café «La Marjuliere» bietet einen Traumblick über das Pays de Fayence bis zum Golfresort von Terre Blanche - und dazu hausgemachte Torte nach deutschen Rezepten

Die Alteingesessenen von Montauroux, einem jener unzähligen Dörfer im Hinterland des Departements Var, werden sich noch an das überwucherte Grundstück am Boulevard du Belvédère erinnern. In den 1950er-Jahren hatten die Großeltern von Stefanie Savarys Mann das herrliche Fleckchen Land östlich des Dorfkerns gekauft. Damals war die Bastide darauf das einzige Wohnhaus weit und breit. Seither hat Montauroux sich in alle Himmelsrichtungen ausgebreitet, großzügige Familiensitze prägen das Bild.

Jahre, nachdem die Großeltern ihres aus der französischen Schweiz stammenden Mannes verstorben waren und das Anwesen unbewohnt verkam, beschlossen die Savarys sich mitsamt der beiden Kinder hier ein dauerhaftes Zuhause zu schaffen. Erinnerungen an ungezählte Sommer bei den Großeltern verhießen einen spannenden Neuanfang fern der Großstadt.

Zwei Jahre sind seither vergangen und viel, viel Arbeit in das Projekt geflossen – bis die in Freiburg aufgewachsene, gebürtige Hamburgerin vor wenigen Wochen ihre ersten Gäste im «Marjuliere» (www.lamarjuliere.com) bewirten konnte.

Bewusst hat Stefanie Savary den langjährigen Namen der Bastide für ihr «Terrassen-Café mit Aussicht» beibehalten: «Dahinter verbirgt sich die Abkürzung der Vornamen meiner Schwieger-Großeltern: Marguerite und Jules.»

Ausschließlich im Garten - und folglich nur im Sommerhalbjahr – serviert die gelernte Modemacherin nachmittags (außer montags) köstliche Torten und fruchtige Kuchen. Je nachdem, was der Marktbesuch hergibt, backt sie Schwarzwälderkirsch-Torte oder Erdbeer-Törtchen, sündige Sahneschnitten oder  Aprikosenkuchen mit Früchten aus dem eigenen Garten. Auch zahlreiche Eisbecher stehen in der Karte der Bäckerin aus Leidenschaft, darunter ein «Delice des anges» mit selbst importiertem Eierlikör. Sonntagmorgens erhalten die Gäste auf Reservierung außerdem ein leckeres Frühstück.

Sieben, acht Tische verteilen sich großzügig rund ums Haus, einige unter riesigen Platanen, andere neben duftenden Lavendelbeeten. Allen Plätzen gemein ist der Blick in die pralle Natur in absoluter Ruhe, vom Zikadenkonzert einmal abgesehen. Auch Eltern mit Kindern sind der 44-Jährigen willkommen, geplant hat sie sogar Vorlesenachmittage für den Nachwuchs.

«Im Idealfall», so sagt Stefanie Savary, «entwickelt sich aus meinem Café ein Ort des Austauschs, ein kultureller Veranstaltungsort.» An Kunst-Ausstellungen denkt sie, aber auch die Idee eines älteren Herrn will sie gerne aufgreifen: «Warum nicht mal sonntagnachmittags zum Tanztee einladen?!»                   

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