06.06.2010 0
Gourmet: Lokale AMAPs bieten Gesundes im Abonnement an
Wöchentliche Gemüsekörbe - nicht nur frisch, sondern auch öko
Zurück in der Heimat gründete er gemeinsam mit Konsumenten aus Aubagne die AMAP (Association pour le maintien d’une agriculture paysanne - Vereinigung zum Erhalt einer bäuerlichen Landwirtschaft). Den ersten grünen Korb verkaufte er im April 2001. Heute, fast zehn Jahre später, werden etwa 2000 Familien von 33 Vereinigungen allein im Departement Var beliefert. In den Alpes-Maritimes gibt es 19 AMAP-«Filialen».
Ein Erfolg also, dessen Prinzip sehr einfach funktioniert: Der Verbraucher verpflichtet sich für mehrere Monate, dem Produzenten regelmäßig einen «grünen Korb» abzunehmen. Der Inhalt, zum Beispiel Gemüse, Obst, Eier oder Käse, variiert je nach Jahreszeit und wird von vor Ort ansässigen Landwirten zusammengestellt und üblicherweise wöchentlich ausgegeben.
Das Modell der AMAP ist mehr als ein Korb voller Lebensmittel. Partnerschaft ist das Ziel, eine Beziehung zwischen Konsument (consomm’acteur) und Produzent.
Natürlich gibt es im Winter keine Erdbeeren. Doch dem Verzicht auf das breite, ganzjährige Angebot von frischem Obst und Gemüse aus aller Welt steht der Vorteil gegenüber, die genaue Herkunft der Waren zurückverfolgen zu können.
Die AMAP-Abonnenten entscheiden sich für eine gesündere und ursprünglichere Art der Ernährung. Sie nehmen den Wechsel der Jahreszeiten intensiver wahr und werden sich vielleicht überhaupt erst klar darüber, was zu Winter- und was zu Sommergemüse zählt. Außerdem ist der Kühlschrank immer voll!
Da die AMAP-Bauern nur ernten, was sie auch verteilen, ist Frische garantiert. Etwa 70 Prozent der Produzenten haben ein Zertifikat für biologischen Anbau, und der Rest ist auf dem besten Weg.
«Bio» oder «Öko» bedeutet bei AMAP auch, dass lange Transportwege entfallen. Und dass der Fortbestand kleiner Betriebe gesichert wird durch die garantierte Abnahme ihrer Produkte.
Neben den AMAPs gibt es mittlerweile übrigens verschiedenste Möglichkeiten, frische Lebensmittel direkt vom Erzeuger zu kaufen, darunter Bauernmärkte (www.marches-producteurs.com) und die Vereinigung Naturdis in Grasse, die Bio-Produkte via Internet vertreibt. Sogar die Eisenbahngesellschaft SNCF bietet in einigen Bahnhöfen, darunter Aix-en-Provence, den Service panier fraîcheur in Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten an.
Karin Rose
Einkaufen unter Freunden
Eine Freundin hatte ihr vom Prinzip AMAP erzählt. Es gefiel ihr – und kurzerhand wurde sie eine von PACA-weit mittlerweile 130 Produzenten, die wöchentlich eine bestimmte Anzahl von Gemüsekörben an ihre Abonnenten verteilen. Jeanne Hibert, Landwirtin aus La Roquette-sur-Siagne (Alpes-Maritimes), versorgt ihre Abnehmer seit mittlerweile fünf Jahren. Jeden Donnerstagabend von 18 bis 19 Uhr steht sie vor der Kirche in Grasse-Saint-Jacques – den Standplatz hatte die Gemeinde ihr zugeteilt – und wartet auf ihre Kunden. Aus anfangs 25 Körben sind um die 100 pro Woche geworden. Im kohlreichen Winter springen immer einige ab, erklärt sie, die Sommergemüse seien beliebter.
«Mit AMAP weiß ich, dass ich am Ende des Tages alles Gemüse los bin – anders als bei Märkten», sagt sie. «Bio» seien ihre Gemüse übrigens nicht, erklärt die Bäuerin. «Da sind mir die Auflagen zu hoch, über jedes Gießen muss man Buch führen. Aber ich garantiere, dass ich mein Gemüse völlig unbehandelt kultiviere.»
Philippe Michon ist einer der treuen Abonnenten, die seit der AMAP-Gründung in Grasse dabei sind. «Jetzt essen wir regelmäßig frische Produkte, deren Herkunft wir kennen. Wir lassen uns gerne vom Inhalt des Korbs überraschen und probieren neue Gerichte mit Gemüsesorten aus, die wir von alleine vielleicht nicht gekauft hätten.»
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