06.08.2009 0
Italienische Riviera: Warum musste Gabriel sterben?
Eltern auf der Anklagebank
Elisabete Petersone ist erst 20, ein hübsches, lebenslustiges Mädchen aus Lettland, das nach Italien gekommen war, um hier Arbeit zu finden und stattdessen ein Baby bekam. Ihr Partner Paolo Arrigo (24) aus Imperia ist nicht der leibliche Vater des kleinen Gabriel, lebte aber mit ihr und dem Kind seit einem Jahr zusammen.
«Total vernarrt» sei er in Elisabete gewesen, so sein Vater, in dessen Malerfachgeschäft er beschäftigt war. Doch in jüngster Zeit gab es Probleme, das Paar wollte sich trennen. Waren Elisabete und ihr Lebensgefährte von der Situation überfordert? Eskalierte die Situation an jenem Donnerstag im Mai, als Gabriel starb?
Am Körper des toten Kindes fanden sich Spuren von Misshandlung. Das Paar soll Gabriel im Bett festgebunden haben, wenn es in die Disco ging – der Grund: Der Kleine war einmal aus dem Bett gefallen und hatte sich den Arm gebrochen, als er allein zu Hause war. Im Computer des Paares entdeckten die Ermittler Fotos, auf denen der kleine Gabriel mit schreckgeweiteten Augen auf Paolo Arrigo starrt. Ein Hinweis darauf, dass er das Kind misshandelte?
Was passierte an jenem Tag im Mai wirklich zwischen 17.40 und 18.02 Uhr? In diesen 22 Minuten wurde der kleine Gabriel tödlich verletzt. Es ist die Zeit, in der Paolo Arrigo nach Hause kam, bis zu dem Augenblick, als er die Ambulanz rief. Er behauptet, Gabriel habe bereits im Sterben gelegen, als er eintraf.
Doch Elisabete sagt etwas völlig anderes. Ihre Aussage ist eine schwere Anklage gegen den ehemaligen Lebensgefährten: «Ich habe gesehen, wie er Gabriel einen Fußtritt versetzte», sagt sie. Paolo Arrigo habe ihr nicht verziehen, dass sie, als sie von ihm schwanger wurde, eine Abtreibung vornehmen ließ. Er sei ausgerastet und habe seitdem sie und ihr Kind terrorisiert. Aus Angst habe sie geschwiegen. «Elisabete fühlt sich mitverantwortlich für den Tod ihres Kindes, weil sie es nicht beschützt hat», sagt ihr Anwalt.
Als der kleine Gabriel beerdigt wird, ist die große Kirche San Giovanni in Oneglia gerammelt voll, obwohl seine Mutter in Imperia keine Verwandten hat. Die Stadt bezahlt die Beerdigung.
Auch die junge Lettin ist anwesend, bewacht von zwei Justizbeamten. Während der Zeremonie umklammert sie ein Foto des kleinen Gabriel, sie weint laut, mit offenem Mund – wie ein Kind.
Nun warten sie und ihr ehemaliger Lebensgefährte auf ihren Prozess. Sie im Untersuchungsgefängnis in Genua, er in Imperia. RFR
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