22.12.2009 0
Italienische Riviera: Die Kältewelle erreicht jetzt auch die Riviera
Genua erwacht unter einer Eisdecke
An den eisüberzogenen Haltestellen standen sich die Menschen in Genua heute die Füße in den Bauch. Aufgrund der extremen Witterungsbedingungen trafen die Busse mit erheblichen Verspätungen ein, wenn sie nicht ganz ausfielen. Und auch auf den Bahnhöfen bot sich ein ähnliches Bild. Insgesamt 20 Zugverbindungen wurden in Ligurien gestrichen.
Die italienische Eisenbahngesellschaft – Ferrovie dello Stato – riet den Fahrgästen, ihre Reise nicht ohne «Wolldecken und Panini» anzutreten, da sie auf manchen Linien mit bis zu 640(!) Minuten Verzögerung rechnen müssten.
Um einiges entspannter sieht die Lage dagegen im restlichen Teil Liguriens aus. In Savona regnet es lediglich und auch Imperia und La Spezia vermelden keine Probleme.
Ähnlich wie Genua, aber schon am Montagmorgen, wurden auch im französischen Departement Var zahlreiche Autofahrer vom Blitzeis überrascht. Einsatzkräfte der Feuerwehr hatten alle Hände voll zu tun, da es mehrere Pkw und Lkw auf den spiegelglatten Straßen entschärfte.
Unterdessen ist in Südfrankreich aber das Schlimmste wohl vorerst überstanden, nachdem gestern der seit Längerem befürchtete Stromausfall eingetreten war. Grund sei eine Störung der Verteilerstation in Avignon gewesen, teilte der Stromnetzbetreiber Réseau de Transport d'Electricité (RTE) mit. Um einen totalen «Blackout» in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA) zu verhindern, wurde entschieden, die Versorgung einzuschränken und rund zwei Millionen Bewohnern der Côte d’Azur den Strom abzuschalten (unter ihnen auch die RCZ-Redaktion). Anderthalb Stunden saßen die Betroffenen zwischen Marseille und Nizza im Dunkeln.
Angesichts der Kältewelle wurde schon vor einigen Tagen an die Haushalte appelliert (die RCZ berichtete), den Stromverbrauch zu reduzieren. Da Frankreich bei der Energieversorgung vor allem auf Kernkraft setzt, die nicht auf stark schwankenden Bedarf, sondern auf stabile Grundlast ausgelegt ist, kann bei großen Temperatursprüngen die Nachfrage zwischenzeitlich nicht gedeckt werden. Zudem sind derzeit mehrere Atomreaktoren im ganzen Land abgeschaltet, weil in den Anlagen Wartungsarbeiten nachgeholt werden.
In Nizza reagierte Eric Ciotti, Präsident des Conseil général der Alpes-Maritimes, auf den Stromausfall mit der erneuten Forderung nach einer zusätzlichen unterirdischen 225 000 Volt-Leitung für die Region. Die gestrigen Ereignisse hätten wieder einmal gezeigt, wie fragil die momentane Stromversorgung sei, so Ciotti. Nizza und Städte wie Aix-en-Provence, Marseille, Toulon und Cannes werden über eine einzige Leitung von 400 000 Volt versorgt.
C.D.
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