01.08.2008 0
Kolumne: Heiko Engelkes
Der polierte Präsident
Ab Januar werden alle öffentlich-rechtlichen Programme wie France-2 und France-3 keine Werbung mehr ausstrahlen – weder vor den Nachrichten noch danach oder während der Spielfilme.
Was mancher Zuschauer als angenehme News empfindet, wirkte auf die betroffenen Sender wie ein Dolchstoß. Wie soll die entstehende Finanzlücke von mehreren hundert Millionen Euro geschlossen werden? Wie wird man die Qualität der Programme aufrecht erhalten können? Der oberste Intendant der Öffentlich-Rechtlichen, Patrick de Carolis, explodierte in einem Rundfunk-Interview – womit er Kopf und Kragen riskierte – und sagte: «Das Urteil des Herrn Staatspräsidenten ist falsch, dumm und äußerst ungerecht.»
Sarkozy, unbeirrt, ließ verkünden: Die Entscheidung, wer oberster Intendant der Öffentlich-Rechtlichen sein wird, fällt der Regierungschef. Das ist, als bestimmte in Deutschland Frau Merkel, wer Intendant beim ZDF oder bei der ARD wird.
Herrschaft über die Massenmedien hat in Frankreich Tradition. Während Deutschland nach Hitlers totaler Propaganda-Maschinerie von der angloamerikanischen, durch und durch demokratischen Ausrichtung der Medien geprägt wurde, wirken in Frankreich immer noch de Gaulles Grundsätze nach, die er 1958 durchsetzte. Täglich um zwölf Uhr wurden die Rundfunk- und Fernseh-Chefredakteure ins Informationsministerium bestellt.
Sie bekamen die Kritik an den politischen Sendungen des Vortages unter die Nase gerieben und durften dann die Nachrichten und die Schlagzeilen für den laufenden Tag notieren. Im Laufe der Jahrzehnte wurde diese Praxis zwar abgeschafft, aber unterschwellig mischt der Elysée-Palast immer noch mit – bis zur Besetzung von wichtigen Moderatoren-Posten.
Unter Chirac kümmerte sich dessen Tochter Claude darum, dass der Staatspräsident in der Öffentlichkeit in gutem Licht erschien. Bei Sarkozy arbeitet ein ganzes Team von Experten daran, den Staatspräsidenten auf Hochglanz zu polieren. Ziel ist: Jeden Abend muss Sarkozy die Bildschirme beherrschen – was demnächst, mit Sarkozy als Superintendant, kaum mehr ein Problem sein dürfte.
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