01.07.2009 0
Kolumne: So seh ich' s von meiner Terrasse im 26. Stock
Falsche Fernseh-Fakten
Im Zweiten Weltkrieg war das souveräne Monaco neutral und daher Fluchtetappe für hunderte Juden. Die meisten fanden Unterkunft bei monegassischen Familien. Als der SS-Hauptsturmführer Alois Brunner, der schon Wien «judenfrei» gemacht hatte, in Monaco eintraf, um «1500 Juden einzukassieren», traf er auf diplomatisch-listigen Widerstand.
Der deutsche Botschafter Hellenthal, sein Militärattaché General von Kohlermann und Fürst Louis bremsten ihn diplomatisch-pfiffig aus: Im neutralen Monaco dürfe er nicht eigenmächtig vorgehen.
Ein Zusammenwirken mit Monacos Polizei sei un-umgänglich. Die List gelang: Nach der gemeinsamen Einsatzbesprechung hatten dann die Monaco-Polizisten nichts Eiligeres zu tun als so viele Juden zu warnen, wie sie nur erreichen konnten.
So blieben alle italienischen, französischen und auch deutschen Juden, die Familienanschluss gefunden hatten, unbehelligt (wie die Malerin Leonor Fini, die beim italienischen Botschafter lebte).
Gefangen wurden «nur» etwa achtzig Opfer – nach der mir vorliegenden Liste allesamt Menschen aus östlichen Ländern, die offenbar wegen Sprachschwierigkeiten keinen Unterschlupf gefunden hatten.
Schlimm genug. Aber dies unreflektiert «Auslieferung» zu nennen, ist krasse Geschichtsklitterung.
Sei’s drum. So haben wir immerhin mal hinter die Machart der ZDF-«History»-Serie geschaut.
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