01.11.2008 0

Kolumne: Heiko Engelkes

Pecunia non olet

Seit Wochen reden alle nur noch vom Geld. Millionen, Milliarden, Billionen. Geld, das aufeinander getürmt, ein paarmal bis zum Mond und zurück reichen würde. Und wir fragen uns: Wo stecken eigentlich diese unvorstellbaren Summen, wenn es keine Krise gibt? Wohin verflüchtigen sie sich, wenn Geld sich plötzlich in Nichts auflöst? Ein Blick zurück. In grauer Vorzeit herrschte auf den Märkten Tauschhandel: Pelze gegen Getreide, Vieh gegen Handwerkszeug. Um 2000 v.Chr. gab es im Mittelmeer-Raum erste Münzen mit Haustiergestalten, deren Gegenwert sie darstellten.

«Geld stinkt nicht»

Erste richtige Geldstücke – als leicht transportabler, Grenzen überschreitender Handelswert – wurden zwischen 650 und 520 v.C. im Reich der Lyder geprägt, in der östlichen Türkei.

Damit wurde der Handel rund ums Mittelmeer «global». Münzen machten es aber auch Machthabern möglich, Vermögen Platz sparend in Tresoren zu horten – und Steuern zu erheben.

Bevor das Volk der Lyder unterging, trug die letzte lydische Münze das Abbild seines Königs.

Er hieß Krösus und ist noch heute das Symbol für Reichtum.

Die Münze als Steuer-Mittel nutzte Roms Kaiser Vespasian. Er kassierte von jedem Benutzer der öffentlichen Toiletten einen Obolus. Auch sein Argument «Geld stinkt nicht» überlebt bis heute (und Frankreichs Straßen-Klos heißen immer noch nach ihm «Vespasiennes»).

 

Erstes Papiergeld in Spanien

Noch transportierte man Münzen in Säcken und Kisten. Doch je mehr Handelswege und Märkte sich über die Kontinente ausweiteten, um so leichter wurde das Geld. Im 11. Jahrhundert hatte es das Gewicht von Papier, indem Chinesen es mit Zahlen beschrifteten – eigentlich Gutscheine von Bank zu Bank. Erstes Papiergeld wurde 1483 in Spanien gedruckt.

 

Null gleich nichts

Zuletzt nun ist es so leicht geworden, dass es nur noch in digitalen Impulsen in der weltweiten Computer-Vernetzung zwischen Banken, Börsen und Anlegern besteht.

Da können sich wohl die vielen Nullen – Millionen, Milliarden, Billionen – leicht in das auflösen, was eine Null wirklich darstellt: nämlich in nichts.

Wer nun Trost braucht, weil er mehr verloren als gewonnen hat, sei an eine Erfahrung so alt wie Krösus erinnert: «Geld allein macht nicht glücklich!»

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