01.09.2009 0

Kolumne: So seh ich' s von meiner Terrasse im 26. Stock

Steueroasen-Modell für Bayern?

Wundern Sie sich nicht über diesen Titel meiner Glosse. Das ist eine News-Frage von vor gut zwanzig Jahren. Aber da war sie mal aktuell. Fast. Vielleicht. Im Interview mit Guido Westerwelle (Seite 17) lese ich seine Kritik an der Arroganz der großen Staaten gegenüber kleineren. Und, von meiner Turm-Terrasse hinabschauend, was sehe ich dort noch immer vor mir? Die Damen und Herren Abgeordneten des Finanzausschusses des Bayerischen Landtags, wie sie staunend durch Monacos Straßen pilgern.

Wie gesagt, vor gut zwanzig Jahren.

Doch, es gab eine Zeit, da dachten die Großen – nicht zu Unrecht – sie könnten von den Kleinen lernen.

Der Landtags-Finanzausschuss war eingeflogen, um Monacos Steuerfreistaats-System auf wenigstens teilweise Anwendbarkeit im Freistaat Bayern zu studieren: Keine Erbschafts- und Einkommenssteuer, nur Mehrwert- und Exportsteuer, und trotzdem das höchste Bruttosozialprodukt und ein Staatshaushalts-Überschuss. Verlockend, nicht wahr?

Man genoss die Audienz bei Fürst Rainier III., die Erläuterungen seiner Minister (auch andächtig den Anblick eines dereinst von der hundertjährigen Königlich-Bayerischen Hof-Kunstanstalt verlegten Mosaiks im Restaurant «Le Bistroquet») und vielleicht sogar das Referat, das der Schreiber dieser Zeilen ihnen zwischen Suppe und Hauptgericht hielt.

Doch aus dem Modell «Steuerfreistaat Bayern» ist nichts geworden. Es konnte ja nicht gelingen, sich aus dem Korsett der bundesrepublikanisch verbindlichen Finanzstruktur zu befreien.

Aber für die Damen und Herren Abgeordneten wird es doch wohl immerhin eine genüssliche Dienst- und Bildungsreise in den sonnigen Süden gewesen sein: «Außer Spesen nichts gewesen.»

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