01.10.2009 0
Kolumne: So seh ich’s von meiner Terrasse im 26. Stock
Von Monte-Carlo zum Ural
Wie der Zufall spielt, erreicht mich gerade in diesen Tagen die – verspätete – Todesnachricht eines alten Bekannten. Professor Dr. Wolfgang Hellenthal, Sohn jenes deutschen Botschafters in Monaco, der in den Kriegsjahren mithalf, viele ins neutrale Monaco geflüchtete Juden vor dem Zugriff der SS zu bewahren (ich berichtete schon einmal darüber).
Hellenthal junior erlebte, bis er 19 wurde, Monaco im Krieg: «Tanz auf dem Vulkan, rauschende Gala auf der ‚Titanic’, denn das Casino funktionierte ungerührt weiter», so beschrieb er es mir – ich verdanke ihm viele Informationen aus jener Zeit.
Als die Familie nach der Befreiung Monacos mit rückflutenden deutschen Truppen flüchtete, wurde er zur Wehrmacht eingezogen, geriet als Offiziersschüler in russische Gefangenschaft, schuftete drei Jahre in einem Bergwerk im Ural, kehrte mit gebrochenen Beinen, auf Krücken, heim nach Deutschland.
Einige Zeit konnte er ein Taschenmesser verstecken, dass der Vater ihm noch zu seinem letzten Geburtstag in Monaco geschenkt hatte. Und einen Ausweis mit dem Vermerk «Wohnort: Monte-Carlo» …
Ich finde, auch solch eine Geschichte passt ins Nachdenken über jene schreckliche Zeit, die man sich heute, von einer hohen Terrasse über Monaco blickend, kaum noch vorstellen kann.
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