10.08.2010 0
Kunst & Kultur: Roche-Erbin Maja Hoffmann fördert die Provence
Arles soll Hauptstadt der Fotografie werden
Als Architekt des Neubaus hat die Baslerin den 81-jährigen Stardesigner Frank O. Gehry gewonnen. Der Amerikaner kanadischer Herkunft schuf 1997 das Guggenheim-Museum von Bilbao. Dadurch wurde die darbende nordspanische Stadt zum Sinnbild erfolgreicher kommunaler Krisenbewältigung. Kein Wunder, dass der kommunistische Arler Bürgermeister, Hervé Schiavetti, auf den «Guggenheim-Effekt» und damit auf ein Wirtschaftswunder für seine marode Gemeinde hofft. Denn – abgesehen von einer Papierfabrik – haben Industrie und Handel von Arles nicht viel zu bieten. Der Ort verfügt über eine Ansammlung von etlichen antiken und romanischen, auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes vermerkten Denkmälern und lebt mehr schlecht als recht von Tourismus, Olivenöl-Produktion und Schafzucht in der Umgebung. Die Arbeitslosenquote ist hoch.
Das neue Fotozentrum mit großem Schaulager, das äußerlich einem großen Metallturm gleichen wird, soll aber nicht etwa ein Museum werden, sondern ein «Zentrum für das Bild in all seinen Formen», ein Ort, «der durch die Gegenwart der Künstler in ständiger Bewegung ist», wie die Schweizerin sich ausdrückt. Um den Gehrybau herum sollen junge Architekten weitere Gebäude schaffen für die «École Nationale Supérieure de la Photographie», der französischen Hochschule für Fotografie, und den Verlag Actes Sud, die jetzt noch im historischen Zentrum untergebracht sind. Auch ein Theater, eine Schule und ein Dokumentationszentrum sowie Künstlerwohnungen und Gastateliers sollen entstehen. Und im Sommer sollen hier, jenseits des Flusses, die «Rencontres Internationales de la Photographie» stattfinden.
Die internationalen Fototage locken seit Jahren Kulturtouristen an, haben aber noch keinen festen Platz. Arles soll nicht zuletzt durch den Einfluss des weltbekannten ortsansässigen Fotografen Lucien Clergue, einem frühen französischen Aktfotografen aus dem Umfeld Picassos, zum Sitz der Foto-Universität erkoren worden sein. Clergue hat einen guten Draht zum Leiter des Picassomuseums in Münster, Prof. Dr. Markus Müller, dem wir den Hinweis zu dem Arler Fotocampus verdanken.
Die 54-jährige Mäzenin Maja Hoffmann lebt in Basel, Zürich, New York und in der Camargue. Nach Informationen des Schweizer Journalisten Gerhard Mack unterstützt sie – bis hin zur Mongolei – in verschiedenen Ländern Naturschutz und biologische Landwirtschaft und engagiert sich in vielen Institutionen für Kultur und Kunst. Dazu zählen neben den «Rencontres Internationales de la Photographie» in Arles die Kunsthallen in Zürich und Basel, das Kunsthaus Zürich, das Fotomuseum Winterthur, die Ausstellungshalle Palais de Tokyo in Paris und das Swiss Institute sowie das New Museum in New York. Am renommierten Barth College im Staat New York fördert sie die Ausbildung junger Kuratoren. Den Architekten Frank Gehry lernte sie als Koproduzentin von Sydney Pollacks Dokumentarfilm «Sketches of Frank Gehry» näher kennen. Auch hat sie über die «Dakota Group» Filme über Robert Mapplethorpe und Lou Reed unterstützt.
Der 1929 in Toronto geborene Gehry avancierte mit seinen zersplitterten skulpturalen Bauten zu einem Star der internationalen Architekturszene. Sein Wohnhaus, das er 1977 in Santa Monica, Kalifornien, baute, gilt als einer der Gründungsakte der dekonstruktivistischen Architektur. Einer breiten Öffentlichkeit wurde der vielfach Ausgezeichnete durch Bilbao (1997) und die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles (2003) bekannt. Zu seinen Museen zählen das Vitra-Design-Museum in Weil am Rhein, das Frederick-Weisman-Museum in Minneapolis und das MARTa Herford in Deutschland. Für die «Fondation Louis Vuitton pour la création» des LVMH-Besitzers Bernard Arnault plant er in Paris ein Museum und für die Vereinigten Arabischen Emirate in Abu Dhabi ein Guggenheim-Museum, das 2011 eröffnet werden soll.
Das neue Fotozentrum in Arles soll 2013 fertig sein. Jedenfalls steht es auf dem Programm der europäischen Kulturhauptstadt 2013 Marseille-Provence.
Rolf Liffers
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