24.06.2010 0
Kunst & Kultur: ein Höhepunkt der Saison ist jetzt eröffnet - zwei untrennbare Mythen in einer einzigartigen Ausstellung
Die B.B. und Saint-Tropez
«Wenn sie verliebt war, zeigte sie es hemmungslos der ganzen Welt. Denn jedes Mal glaubte sie, es sei der Richtige», so Henry-Jean Servat. Servat organisiert neben Produzent Tristan Duval die Ausstellung «Brigitte Bardot», die vom 23. Juni bis 31. Oktober in Saint-Tropez zu sehen ist. Der Journalist ist seit über 20 Jahren ein guter Freund der Bardot und «wohl der einzige Pressevertreter, der noch persönlichen Zugang zu ihr hat», wie er sagt.
Von seinen Emotionen übermannt, kämpft der Franzose minutenlang mit den Tränen, bevor die Ende Mai einberufene Pressekonferenz beginnen kann. Auch Bardots Ehemann, Bernard D’Ormale, ist die Rührung anzusehen: Brigitte Bardot in Saint-Tropez! Zwei untrennbaren Mythen wird endlich ein Denkmal gesetzt!
Auf 800 Quadratmetern werden zum Teil bisher nicht veröffentlichte Kindheits-Fotos, private Filme und Gegenstände wie die ersten Ballettschuhe der engagierten Tierschützerin gezeigt. Natürlich geht es in einem Kapitel auch um ihre Eroberungen, ihre Ehemänner und Geliebten.
Doch der letzte Ausstellungs-Abschnitt ist auf ihren ausdrücklichen Wunsch der Liebe ihres Lebens gewidmet: dem Kampf gegen die Misshandlung von Tieren an allen Fronten. «Brigitte möchte, dass die Besucher als letzten Eindruck diese meist sehr grausamen Bilder mit auf den Weg bekommen», erklärt Henry-Jean Servat.
Die B.B. ist der einzige Star, zu dem man spontan einen geografischen Bezug herstellt: Die Bardot und Saint-Tropez gehören einfach zusammen! Das Städtchen war für den Star zunächst ein Zufluchtsort, ein Paradies, bevor sie es später als «die Hölle auf Erden» empfand. Neugierige Menschenmassen störten die ihr so wichtige Privatsphäre. Seit 1958 besitzt die Bardot an der Route des Canebiers das Haus La Madrague, wo sie mit ihrem Mann und ihren Tieren zurückgezogen lebt.
Ursprünglich hatte sie sich ein Domizil in Bandol erträumt. Aber innerhalb eines Wochenendes entscheidet sie sich dann hingerissen für einen Bootsschuppen auf einem verwunschenen Grundstück am Meer von Saint-Tropez, das ihre Mutter für sie aufgestöbert hatte.
Brigitte unterbricht die Dreharbeiten zu Luis Buñuels Film La Femme et le pantin (Dieses obskure Objekt der Begierde) und unterzeichnet den Vertrag beim Notar, der für sie seine Kanzlei am Sonntag öffnet.
Saint-Tropez war dem Star damals bereits vertraut: Als kleines Mädchen verbrachte Brigitte hier unbeschwerte Ferien. Mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester fuhr sie viele Sommer lang mit dem Nachtzug, dem Train Bleu, von Paris nach Saint-Raphaël und von dort aus weiter mit dem Boot. Das geschah stets nach demselben Ritual: Von Bord aus erlebte die Familie den Sonnenaufgang: Das Fischerdorf wartete auf sie! Und mit ihm glückliche Stunden in einem damals noch weitgehend unbekannten Saint-Tropez mit seinem unverfälschten Charme.
Der erste Weg führte jedes Mal zum Hôtel de la Ponche, wo die Tochter des Hauses, Simone Duckstein, sofort zum Bäcker geschickt wurde, um ofenwarme fougasses für die Urlauber zu holen. Dann ging es in die Rue de la Miséricorde, wo die Familie Bardot viele Jahre lang ein rosafarbenes Fischerhäuschen bewohnte.
1957, Brigitte war inzwischen 23, entstand dann der Film, der sie an der Seite von Curd Jürgens endgültig weltberühmt machte: Roger Vadims Und Gott erschuf die Frau. Mit und durch die B.B. erlangte auch Saint-Tropez internationalen Ruhm.
Doch kaum eine Liebesbeziehung kommt ohne Meinungsverschiedenheiten aus. So ging Brigitte einmal ganz allein auf die Teilnehmer eines Jägerkongresses los. Mit einem Megafon bewaffnet, marschierte sie zum Versammlungsort und brüllte den verblüfften Männern ihre Missachtung entgegen.
Der heutige Bürgermeister Jean-Pierre Tuveri kann darüber nur lächeln. Er freut sich, dass seine Stadt ihren Besuchern in diesem Sommer eine so attraktive Ausstellung zu bieten hat und ist seinem Tourismus-Direktor Claude Maniscalco für dessen Einsatz sehr dankbar, wie er sagt. Aber ein Risiko wollte er auf keinen Fall eingehen und besuchte im Frühling die Premiere der Ausstellung in Boulogne-Billancourt – inkognito.
Brigitte Bardot - Saint-Tropez
Espace Rendez-Vous des Lices
23. Juni bis 31. Oktober
11-20 Uhr, im Juli & August bis 24 Uhr
Eintritt 11 Euro, «Express»-Karte (ohne Wartezeit) 13 Euro
Besuchen Sie unsere Fotogalerie
P. Hall
Copyright Mediterraneum Editions sarl. Teilen Sie unsere Artikel gerne mit Freunden und Bekannten, aber bitte nutzen Sie dazu ausschließlich die oben stehenden "Share-Werkzeuge". Bitte schneiden Sie keine Artikel von rczeitung.com aus, um sie im Web oder in Blogs weiterzuverwerten.
Kommentare
Bitte loggen Sie sich ein um einen Kommentar zu diesem Artikel zu hinterlassen.





Kommentare
Einen Kommentar schreiben