29.03.2011 0

Kunst & Kultur: Ma Deshengs Werke sind erstmalig im asiatischen Museum der Riviera-Metropole zu sehen

Ein Stück Asien mitten in Nizza

Das Musée des Arts Asiatiques bringt asiatische Kunst und Lebensart an die Côte d'Azur. Das architektonische Kunstwerk beherbergt sorgfältig ausgewählte Sammlungen. In der Kulturmetropole Nizza zeigt der Chinese Ma Desheng erstmalig seine Werke.

Asiatisches Museum im Parc Phoenix in Nizza
Das "Musée des Arts Asiatiques" im Parc Phoenix in Nizza. Copyright: Patrick Giraud

Noch bis Mitte Juni ist eine Ausstellung mit Werken von Ma Desheng im Museum für asiatische Kunst in Nizza zu sehen: «Lebewesen aus Stein – Lebenshauch» heißt die Schau. Der aus Peking stammende Künstler verbindet in seinem Schaffen  Einflüsse aus dem Taoismus mit Merkmalen der abstrakten Kunst des Westens. Der Leiter der Avantgarde-Künstlergruppe Les Etoiles (Xing Xing) brach Ende der Siebziger Jahre mit der traditionellen akademischen Malerei. Doch nur die folgenden Jahre in Frankreich sollten ihn seinem Talent näher bringen. Zahlreiche Arbeiten Ma Deshengs  sind im Pariser Musée d’Histoire Contemporaine ausgestellt. Seine «Etres de Pierre, Lebewesen aus Stein» kreierte Desheng extra für das Nizzarder Museum.

Will man das Musée des Arts Asiatiques aufsuchen, benötigt man weit mehr als einen Stadtplan – nämlich Kunstbewusstsein, Hingabe für die Kultur und Menschen Asiens. Kenzo Tange, der japanische Architekt, hat mit seinem Bau von 1987 aus weißem Marmor einen Ort des Austausches kreiert: „In meiner Vorstellung ist dieses Museum ein Juwel aus prächtigem Weiß, das im Blau des Mittelmeers erstrahlt; ein Schwan, der über das Wasser eines stillen Sees gleitet, inmitten einer üppigen Vegetation.“ Im Parc Phoenix, einem sieben Hektar großen botanischen Garten gegenüber des Flughafens, hat Tange mit einer minimalistischen Konstruktion das asiatische Weltbild nach Europa gebracht. Der Vertreter der japanischen Nachkriegsarchitektur hat den Bau auf zwei Grundformen der japanischen Tradition gestützt: den Würfel als Symbol für die Erde und den Kreis als Symbol für den Himmel. Das Gebäude erinnert an die Form eines tibetischen Mandalas. Gebaut auf den See des Parks, blickt der Betrachter auf ein schwimmendes Konstrukt. Die vier Kuben stehen für die beiden Zivilisationen am Meer: China und Indien. Diese werden vervollständigt von Japan und Südostasien.

Die Hälfte der rund 200 Exponate Ma Deshengs sind Leihgaben, unter anderem aus dem Pariser Musée Guimet; die andere Hälfte stammt aus privater Hand. Die Ausstellungsinhalte fassen die wichtigen Zivilisationen Asiens zusammen: China, Japan, Indien und Südostasien mit Vietnam, Laos, Kambodscha, Birma, Thailand, Malaysia, Indonesien und die Philippinen – Tradition und Moderne treffen in den exponierten Stücken aufeinander. Neben einer Dauerausstellung, die Aspekte der unterschiedlichen asiatischen Kulturen beheimatet, wechseln sich temporäre Darbietungen und Künstler ab.

Origami-Interessierte sollten vorab einen Termin vereinbaren, um in die Kunst des Papierfaltens eingeweiht zu werden. Dies gilt auch für Bewunderer der Technik des traditionellen japanischen Blumenarrangierens. Bei Ikebana, der Zeremonie mit „lebenden Blumen“, offenbart der Gestalter beides: sein Verhältnis zur Natur und seine jeweiligen Gefühle. Die meisten Ikebana-Formen basieren auf den drei Linien: shin, soe und tai, Symbol für Himmel, Erde und Menschheit. Liebhaber der Ruhe können sonntäglich der Teezeremonie im Teesalon beiwohnen und die Stille des Sees und das Familientreiben im botanischen Garten auf sich wirken lassen. Zu kontemplativ? Kein Problem: Qi gong und Tai Chi finden nebenan statt.

Ed

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