19.08.2010 0
Kultur: ...würde Negresco-Inhaberin Jeanne Augier ihr Hotel verkaufen. Jetzt erst recht nicht!
Für kein Geld der Welt...
Bill Gates hatte ihr einst einen Blankoscheck ausgestellt mit den Worten: «Sie bestimmen die Summe, die Sie für Ihr Hotel wollen.» Jeanne Augier kam nicht eine Sekunde in Versuchung – sein Kind verkauft man nicht!
Bei den beiden Galasoireen Mitte Juli zum Abschluss umfassender Renovierungsarbeiten hielt die mittlerweile 87-jährige Negresco-Inhaberin und aktive Tierschützerin eine knappe und klare Rede. Mit kräftiger Stimme und ohne zu stocken dankte sie ihrer Generaldirektorin Nicole Spitz und den 250 Angestellten, von denen ihr viele schon seit Jahrzehnten die Treue halten. Eine erstaunliche Persönlichkeit, die kein Blatt vor den Mund nimmt: Jeanne Augier verkörpert auf geradezu verblüffende Weise all das, was die grande nation ausmacht.
Seit fast einem Jahrhundert thront die rosafarbene Kuppel des Negrescos nun schon über der Uferpromenade von Nizza. Die Gründungsgeschichte des Luxushotels liest sich beinahe wie ein Märchen. Ende des 19. Jahrhunderts kam der junge Rumäne Henri Negrescu, Gastwirtsohn und Zigeunerviolinist, nach Monte-Carlo. Als Direktor des Restaurants Helder schuf er sich rasch ein hochkarätiges Netzwerk, zu dem auch der niederländische Architekt Edouard Niermans und der Financier Alexandre Darracq gehörten. Diesen beiden Männern vertraute Henry Negresco, wie sich der Rumäne nach seiner Naturalisierung in Frankreich nannte, seine ehrgeizigen Pläne für ein exklusives Hotel an der Côte d’Azur an.
Nach jahrelangen Bauarbeiten öffnete das Negresco schließlich am 8. Januar 1913 seine Türen und wurde schlagartig ein beliebter Treffpunkt für den internationalen Adel. Schon in der ersten Saison konnten 800 000 Goldfranken Gewinn erwirtschaftet werden! Während des Ersten Weltkriegs wurde es mit Unterstützung seines Gründers zu einem Militärhospital umfunktioniert. Nach dessen Tod im Jahre 1920 ging das Luxushotel an belgische Investoren.
1957 erwarb der Vater von Jeanne Mesnage, später verheiratete Augier, das Negresco. Seine Frau und Jeannes Mutter konnte sich aufgrund eines schweren Leidens nur noch im Rollstuhl fortbewegen, und das großzügige Gebäude an der Promenade bot ausreichend Platz für einen geräumigen Lift. Vorher wohnte die Familie einige Straßen weiter, in der Rue Meyerbeer.
Zusammen mit ihrem Mann, dem Juristen und Politiker Paul Augier, machte Jeanne aus dem Hotel Negresco eine einzigartige Vitrine französischer Kultur mit einer überaus wertvollen Kunstsammlung – ein wahrhaftiges Museum! Auch nach Pauls Tod im Jahr 1995 erwarb die energische Hotelinhaberin auf ihren zahlreichen Streifzügen durch die französischen Antikmärkte noch viele kostbare Einrichtungsstücke. Im Jahr 2003 stufte der französische Staat die von Gustave Eiffel errichtete atemberaubende Glaskuppel als Nationaldenkmal ein.
Der 1. Juli 2010 stellt nun mit dem Abschluss der Renovierungsarbeiten einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte des Nizzarder Wahrzeichens dar. Neben 40 komplett neugestalteten Zimmern richteten Fachleute auch die Fassade, die Empfangshalle, den Salon Royal und den imposanten Kronleuchter wieder her. Von jetzt an bietet das Luxushotel 91 Zimmer und 34 Suiten, 16 weniger als vor den Arbeiten. Alle Zimmer sind nun mit modernster Technik ausgestattet. Ein Highlight ist der executive floor in der fünften Etage – er bietet Platz für 15 Suiten, gekrönt von der 110 Quadratmeter großen suite royale.
In drei Jahren begeht das Haus seinen hundertsten Geburtstag. Bis dahin sollen die restlichen Renovierungsarbeiten abgeschlossen sein. Natürlich unter der energischen Leitung von Jeanne Augier, die von ihrem Sitz in der rosafarbenen Kuppel alles unter Kontrolle hat.
SKN/PH
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