22.05.2011 0
Kultur: Liz Taylor: An der Côte glänzte sie nicht nur als Star, sondern warb hier für ihre AIDS-Stiftung
In Mougins erfüllte sie ihre wichtigste Mission
Ihr Leben soll auf der Grundlage alter Liebesbriefe verfilmt werden. Noch nicht entschieden ist, ob mit der Wahl-Varoise Angelina Jolie oder Catherine Zeta-Jones in der Titelrolle. Als sicher darf indessen gelten, dass die aus Mering bei Augsburg stammende, behinderte Adoptivtochter von Liz Taylor Haupterbin ihres auf 425 Millionen Dollar geschätzten Vermögens wird.
Mag sein, dass die aktuelle Generation Facebook mit dem Namen Liz Taylor nicht mehr viel anzufangen weiß. Zu ihrer Zeit jedoch waren ihr Privat- und Berufsleben «ein von ihr selbst dirigierter Riesenzirkus», gegen den sich das Tamtam um Angelina Jolie wie «ein Meditationsseminar im Klostergarten» (Spiegel) ausnimmt.
Beim Filmfestival 1957 erschien Liz in für damalige Verhältnisse schrillem Outfit auf dem roten Teppich – mit vier weißen Pudeln und drittem Ehemann, Filmproduzent Mike Todd («In 80 Tagen um die Welt»).
Viel gemunkelt wurde in jenen Jahren über die glamourösen Schiffspartys des griechischen Milliardärs Aristoteles Onassis. Mit von der Partie waren John F. Kennedy, Winston Churchill, John Wayne, der Aga Khan, König Faruk, Fürstin Grazia Patrizia (Kelly), Frank Sinatra, Eva Peron, Greta Garbo sowie «Liz» und «Dick» (Taylor und Richard Burton).
Was sich an Bord der den Namen der Reederstochter Christina O tragenden Luxusyacht zwischen Cannes und Monte- Carlo im Einzelnen ereignete, kam nie ganz an die Öffent-lichkeit. Ergebnis waren jedenfalls mindestens zwei kaputte Ehen. Die Callas ließ sich für Onassis von dem schwerreichen Giovanni Baptista Menegheni scheiden. Onassis Frau Athina folgte 1960 ihrem Beispiel.
Mitte der sechziger Jahre ließ Liz Taylor als Gast des sagenumwobenen Luftfahrt-Pioniers Paul-Louis Weiller in Bormes-les-Mimosas die Seele baumeln, in dessen Haus La Reine Jeanne, in Sichtweite der offiziellen Sommerresidenz des französischen Staatschefs.
In ihrer Begleitung ihr fünfter sowie sechster Gatte Richard Burton (1964-1974 und 1975-1976) und einige ihrer besten Freunde – Rock Hudson, Charlie Chaplin und Frau Oona sowie Yul Brynner. Brynner («Die glorreichen Sieben»), ein begeisterter Hobbyfotograf, soll das illustre Ferienidyll an der Plage de Brégançon in zahlrei-chen Fotos festgehalten haben. Bereits 1957 hatte der Filmschauspieler das Dorf Bormes und die Reine Jeanne unter ungewöhnlichen Bedingungen erkundet und abgelichtet – bei Schnee, in Schwarzweiß.
1987, bei den 40. Filmfestspielen, schwebte Liz Taylor erneut in Cannes ein. Hand in Hand mit George Hamilton. Und dann – letztmals – 2002. Aber weniger als Schauspielerin, sondern in einer Mission, die ihr wichtiger war: Nach dem Tod des homosexuellen Rock Hudson hatte sie eine amerikanische Gesellschaft gegen Aids (The Foundation for Aids Research – amfAR) gegründet und bei deren Benefiz-Gala am 23. Mai in Mou-gins «im Namen jener, die mit der Immunschwäche leben müssen», bewegende Worte gefunden. «Ich komme heute als Anwalt des in einem armen Land sterbenden Kindes. Ich bin die Stimme des Großstadt-Jun-kies, der an der Nadel hängt. Ich spreche für die Prostituierten ... Wenn Geld nicht dazu da ist, die Welt besser zu machen – wozu dann?» fragte sie und appellierte an das Publikum, «all jenen zu helfen, die nicht selber sprechen können.»
Jetzt ist die Charakterdarstellerin mit dem großen Herzen selbst gestorben – Ende März, 79-jährig, in Los Angeles – an Herzversagen. Nice matin trauerte um den «Stammgast der Croisette». Liz, die achtmal verheiratet war, sei zugleich «légende d’Hollywood et du festival de Cannes» gewesen. Und was ist von ihr geblieben? Zum Beispiel, dass das dramatische Werk von Tennessee Willams erst durch ihre Filme «Die Katze auf dem heißen Blechdach« und «Plötzlich letzten Sommer» von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen und verstanden wurde. Die amfAR-Gala hat inzwischen Tradition. Und wer den «Geist» der Größen jener Tage atmen will, kann sich für 500 Euro pro Nase auf der Christina O zu einer nostalgischen Touristen-Rundfahrt einschiffen.
Übrigens: Keine andere prominente Persönlichkeit hat im Kampf gegen Aids so viele Spenden eingeworben wie die Taylor. Für ihr Engagement auf diesem Gebiet wurde sie mit dem Band der französischen Ehrenlegion ausgezeichnet und von der britischen Königin Elisabeth II. in den Adelsstand erhoben. Ihr letzter Wille war es, keine Blumen auf ihr Grab zu legen, sondern für ihre Aids-stiftung zu spenden.
Liz Taylor, selbst Mutter von drei leiblichen Kindern und der erwähnten Adoptivtochter Ma-ria, war ihrerseits Tochter eines Londoner Kunsthändlers und einer Schauspielerin, die England im 2. Weltkrieg aus Angst vor deutschen Luftangriffen verließen und mit Elizabeth nach Kalifornien auswanderten.
In deutschen Medien wurde die Wahljüdin fast stets Liz genannt. Sie selbst mochte diese Kurzform nicht und ließ sich stets mit vollem Namen ansprechen.
Rolf Liffers
Copyright Mediterraneum Editions sarl. Teilen Sie unsere Artikel gerne mit Freunden und Bekannten, aber bitte nutzen Sie dazu ausschließlich die oben stehenden "Share-Werkzeuge". Bitte schneiden Sie keine Artikel von rczeitung.com aus, um sie im Web oder in Blogs weiterzuverwerten.
Kommentare
Bitte loggen Sie sich ein um einen Kommentar zu diesem Artikel zu hinterlassen.





Kommentare
Einen Kommentar schreiben