30.03.2010 0
Kunst & Kultur: Das Château de la Moutte in Saint-Tropez will mehr sein als ein Museum. Ein musikalisches Schlaraffenland ist es ja schon längst.
Kulturelle Verlockungen
Bereits als Émile Ollivier 1860 das Château de la Moutte erwarb, war das Schicksal des Gebäudes vorauszusehen. Denn der französische Politiker und letzte Regierungschef der Zweiten Republik konnte als Schwager Richard Wagners und Schwiegersohn Franz Liszts mit seinem Faible für die hohen Künste nicht hinter dem Berg halten.
Doch erst unter der Leitung seiner Enkelin Annette Troisier de Diaz anvancierte das Schloss zur Kulturhochburg – spätestens als diese 1975 zu den ersten «Nuits du château de la Moutte» lud. Seither findet das qualitativ hochwertige Musik-Festival jedes Jahr im Sommer vor traumhafter Kulisse statt.
Und doch ist abgesehen von der traditionsreichen Großveranstaltung diesmal alles ein bisschen anders. Die Stadt Saint-Tropez will das Château zwar mithilfe des künstlerischen Leiters Jean-Philippe Audoli im Sinne Troisiers weiterführen, aber auch dafür sorgen, dass das zum Nationaldenkmal auserkorene Weingut seine Berührungsängste vor dem «Fußvolk» ablegt und sich einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.
Neben den musikalischen Nächten können Tropezianer und deren Gäste das Schloss nun in der «langen Nacht der Museen» am 18. Mai aufsuchen oder bei den Rendez-vous aux jardins vom 4. bis 6. Juni sowie den Journées européennes du patrimoine am 18. und 19. September durch das einstige, sechs Hektar große Anwesen des Émile Ollivier streifen.
Damit das Château de la Moutte ganzjährig mit Leben erfüllt ist, werden einige Säle um- und ausgebaut, in denen nicht ausschließlich Konzerte, sondern künftig auch Ausstellungen und Konferenzen stattfinden können. Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten bleibt «La Moutte» zwar weiterhin Anziehungspunkt für die heißgeliebten Musiker, aber auch Forscher und Studenten können sich dort bald für wissenschaftliche Zwecke niederlassen und von der schlosseigenen Bibliothek profitieren. Diese zählt immerhin 4 500 Werke – darunter selbstredend Schriften von Émile Ollivier.
Aushängeschild bleiben aber weiterhin die «Nuits du château de la Moutte».
Für den Zeitraum vom 20. Juli bis 13. August stehen insgesamt zehn Konzerte von exzellenten Künstlern in und um das provenzalische Schloss auf dem Programm, darunter eine Hommage an den großen Gitarristen, Komponisten und Bandleader Django Reinhardt anlässlich seines 100. Geburtstages. An der Seite von Urgestein Christian Escoudé wird Djangos Enkelsohn, David Reinhardt, die Werke seines Großvaters, der als Begründer des «Zigeuner-Jazz» gilt, interpretieren.
Ein weiteres Highlight verspricht der Auftritt der virtuosen Pianistin Madeleine Malraux zu werden. Am 10. August begleitet die 95-Jährige eine Lesung des Komödianten François Marthouret mit Klavierstücken von Erik Satie. Unter dem Titel «Satie en liberté» wird die Soirée Annette Troisier de Diaz gewidmet, ohne die es die La-Moutte-Nächte in dieser Form nie gegeben hätte. Das weiß auch Laurence Pavlidis, Leiterin der Kulturabteilung von Saint-Tropez: «Wenn die Stadt heute von diesem bemerkenswerten Ort profitiert, dann nur dank ihres Einsatzes. Das darf nie vergessen werden.»
Claudia Dressel
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