09.04.2011 1

Kunst & Kultur: RCZ-Korrespondent spürt Domizil des Schriftstellers Rudolf Leonhard auf

Exil-Versteck in Hyères "geortet"

Nach monatelanger Detektivarbeit ist es RCZ-Korrespondent Rolf Liffers gelungen, in Hyères-Les-Palmiers (Var) das Haus zu orten, in dem sich der Kopf des literarischen Widerstandes gegen Hitler in Frankreich, Rudolf Leonhard (1889-1953), während des Krieges versteckt gehalten hat.

Leonhard-Haus
Das kleine Häuschen in Hyères-Les-Palmiers, in dem sich Rudolf Leonhard auf der Flucht vor Hitler versteckt hielt. Copyright: Rolf Liffers

Als Leitfaden dienten ihm dabei Notizen aus dem umfässlichen, unveröffentlichten Tagebuch des "verbrannten" Schriftstellers, das Liffers mit Genehmigung von Leonhards Sohn Wolfgang ("Die Revolution entlässt ihre Kinder") in den Archiven der Berliner Akademie der Künste einsehen durfte. In Hyères selbst hatte Liffers regelrecht Klinken putzen müssen, um mögliche Zeitzeugen ausfindig zu machen, die ihn ans Ziel bringen konnten – am Ende mit Erfolg.

Leonhard war Initiator und Leiter der Gruppe 1925, der auch Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Walter Hasenclever, Walter Mehring und Kurt Tucholsky angehörten. 1933 war er Mitbegründer der "Ligue des Combattants de la Paix" und wurde mit Albert Einstein Präsident der deutschen Sektion. 1933 gründete er den "Schutzverband deutscher Schriftsteller im Ausland", dessen französischer Sektionsvorsitzender er wurde. Leonhard nahm am Spanischen Bürgerkrieg teil und verarbeitete seine Erlebnisse unter anderem in dem Erzählband "Der Tod des Don Quijote".

Das kleine Haus, in dem Leonhard im Exil ein erbärmliches Dasein führte, ist inzwischen vom letzten Mieter freigezogen. "In den letzten Wochen fielen prompt Vandalen ein, zertrümmerten Türen und Fenster, warfen die Begrenzungsmauern des nunmehr ungeschützten Grundstücks um und überzogen alle Wände mit Grafittis", schildert Liffers. "Da sich niemand kümmert, dürfte es nur noch eine Frage von wenigen Monaten sein, bis das Haus endgültig zusammengebrochen ist."

Da es sich bei dem Haus um einen "literaturhistorisch fraglos bedeutenden Ort" handelt, möchte Liffers das "Denkmal" vor dem endgültigen Verfall retten. Bei Gesprächen im deutschen Generalkonsulat in Marseille sowie bei PEN-Deutschland lief der Journalist offene Türen ein. Konsulin Marion Hinsberger sagte ihm jede erdenkliche Unterstützung zu. PEN-Generalsekretär Herbert Wiesner hat bereits einen Brief an den kulturhistorisch sehr engagierten Bürgermeister von Sanary, Ferdinand Bernhard, entworfen, der in Kürze abgeschickt werden soll. Darin bittet er ihn, den Bürgermeister von Hyères, Jacques Politi, "mit ins Boot" zu holen.

Liffers macht sich wenig Hoffnung, dass das Geld zusammenkommen wird, um Leonhards Haus retten und als kleines Museum nutzen zu können, "was am schönsten wäre". - "Ich gehe aber davon aus, dass wir dort mit Hilfe des Auswärtigen Amtes, der Stadt Hyères und des PEN in Deutschland und Frankreich wenigstens eine Gedenktafel werden errichten können, die die vielen Touristen in dem Surferparadies im Ortsteil Carqueiranne und anderen Passanten an dieses finsterere Kapitel der Geschichte zu erinnern."

Liffers beabsichtigt, in absehbarer Zeit Leonhards "Hyèrisches Tagebuch" als "wertvolles Zeitdokument" komplett zu editieren.

Übrigens: Leonhard gehört zu den verfolgten Autoren, die auf der Anfang des Jahres in Sanary-sur-Mer enthüllten Gedenktafel verewigt sind (RCZ berichtete).

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Kommentare

Kommentar von pitti | 09.04.2011

Diese Geschichte ist einfach sensationell. Ein dickes Lob an Rolf Liffers für sein Engagement. Wieso kommen die Kommunnalpolitiker eigentlich nicht darauf, solche Stätten zu schützen und zu bewahren? Sie vergeuden doch für so viele unsere Steuergelder!

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