22.02.2010 0

Kunst & Kultur: Die Fondation Maeght in Saint-Paul wird erweitert

Moderne Kunst auf Expansionskurs

Der Osten der Côte d’Azur soll für Kunstfreunde noch reizvoller werden: Die weltberühmte Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence (Alpes-Maritimes) führt zurzeit eine millionenschwere Grundrenovierung und Erweiterung durch. Ab 1. Juli öffnet sie wieder ihre Tore. Nicht weit von dort – in Roquebrune-sur-Argens (Var) – verfolgen die Stadtväter ein anderes ehrgeiziges Ziel: Auf dem Rücken des Col de Bougnon will eine neue Stiftung zeitgenössischer Kunst (Fondation d’art contemporain) ein großes Kulturzentrum errichten, um das, so Bürgermeister Luc Jousse, «Museumsvakuum zwischen Saint-Paul, Saint-Tropez und Toulon zu schließen».

Isabelle Maeght
Direktorin der Fondation: Isabelle Maeght. Während der Umbauarbeiten laufen bereits die Vorbereitungen für die große Sommerausstellung Georges Braque

Stadtvater Jousse hofft auf eine enge Zusammenarbeit mit der Fondation Maeght. Der Vorstandsvorsitzende der renommierten Privatstiftung moderner Kunst in Europa, Adrien Maeght, habe ihm bei einem ersten Treffen Unterstützung zugesagt. Insbesondere habe Maeght für wünschenswert erklärt, in das geplante Kulturzentrum ein Auditorium mit mindestens 350 Plätzen zu integrieren. Zudem habe er bereits jetzt angekündigt, Roquebrune Kunstwerke zu leihen und den späteren Austausch von Exponaten zwischen den Stiftungen zu fördern.

Irgendetwas scheint da aber nicht ganz rund zu laufen. «Ich habe von dem Projekt in Roquebrune noch nichts gehört», versicherte mir Maeght-Direktorin Isabelle Maeght. Vielleicht seien ihrem Vater (Adrien) die angeblichen Zugeständnisse «ein wenig in den Mund gelegt worden», schließt sie nicht aus. «Außerdem haben wir nun wirklich genügend Museen zwischen Nizza und Aix und brauchen folglich keine neuen.» Abgesehen davon: «Wahrscheinlich könnten wir schon aus rein rechtlichen Gründen keine Kunstwerke verleihen. Und selbst wenn: Warum sollten wir? Uns hat am Anfang auch niemand geholfen», erinnert sich die Enkelin der legendären Fondationsgründer Marguerite und Aimé Maeght etwas bitter.

Auch über das Thema Auditorium müsse sie sich sehr wundern, sagte Isabelle Maeght. «Denn wir planen auf unserem eigenen Museumsgelände in Saint-Paul im Zuge der laufenden Erweiterungs- und Modernisierungsmaßnahmen einen Auditoriumsbau, der sich für Konzerte und Tagungen wie für Vorträge und gesellige Veranstaltungen eignet.» Grundlage aller Planungen seien die «neuesten Erkenntnisse ökologischen Bauens».

Sein Projekt in trockene Tücher bringen möchte natürlich auch Bürgermeister Jousse. Im Hinblick auf die Finanzierung liebäugelt er mit der Spendenbereitschaft der Caisse d’Epargne von Nizza. Noch sei das Anfangskapital von drei Millionen Euro nicht vorhanden.

Initiiert worden sei das Kulturprojekt von Roquebrune mit dem Schwerpunkt moderne Kunst bereits vor drei Jahren. Der Leiter der künftigen Stiftung scheint auch schon gefunden zu sein: Professor Jacques Caton, Arzt und Kunstsammler aus Lyon. Mit ihm seien auch die Eckpfeiler der rund tausend Quadratmeter großen Einrichtung eingeschlagen worden, die sich – halb im Boden liegend – auf dem «Balkon oberhalb des Mittelmeeres» harmonisch in die natürliche Landschaft einfügen soll. Der Panoramablick von dort werde bis zum Golf von Saint-Tropez reichen.

Das Architekturbüro Geitner aus Fréjus hat für das zweigeschossige Bauwerk unterdessen seine Pläne vorgelegt und hierfür die Baugenehmigung erhalten. Danach sind neben den Sälen für Dauer- und Sonderausstellungen ein Auditorium und eine Bibliothek, eine große Panoramaterrasse und ein Skulpturengarten vorgesehen.

Übrigens: An der Côte d’Azur scheint die internationale Kunstbegeisterung unter der Wirtschaftskrise nicht gelitten zu haben. «Im Gegenteil», versichert Isabelle Maeght. «Wir werden nach meiner Einschätzung am Jahresende 250 000 Besucher hier gehabt haben.» (Jahresdurchschnitt war bisher 200 000 Menschen).

Rolf Liffers

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