05.06.2010 0

Kunst & Kultur: Das Annonciade-Museum in Saint-Tropez präsentiert eine Premiere - Aquarelle und Gouachen des berühmten Bildhauers

Rodin im "Tempel der Farben"

Die noch bis Ende Juni in Saint-Tropez gezeigten Aquarelle Auguste Rodins strahlen natürliche Lebendigkeit und emotionale Farben aus, die in seinen Skulpturen nicht zu sehen seien. Das meint Jean-Paul Monery, Direktor des Annonciade-Museums in Saint-Tropez, den RCZ-Redakteurin Silke Seehars zum Gespräch traf.

Rodin-Aquarell
Rodins Aquarell "Vulcain" ist aktuell in Saint-Tropez ausgestellt. Copyright: Jean de Calan, Musee Rodin 2010

"Ich lasse mein Modell frei im Atelier herumgehen wie ein aus dem Stall ausgebrochenes Pferd und halte die Beobachtungen fest, die ich dabei mache.» So beschrieb Auguste Rodin einst seine Arbeitsweise.

Besucher der Frühlingsausstellung «Rodin et la couleur» werden keine seiner berühmten Plastiken zu sehen bekommen. Sie können sich ganz darauf einlassen, mit den Aquarellen und Gouachen andere, weniger bekannte Werke des des französischen Bildhauers und Zeichners (1840 – 1917) zu entdecken.

Entstanden sind die trotz sparsamster Mittel so ausdrucksstarken Arbeiten im Herbst seines Lebens, vor allem in den Jahren 1896 bis 1910.

Ich treffe Museums-Direktor Monery in seinem Büro in Saint-Tropez, wo er begeistert sein Ausstellungs-Konzept erläutert: «Rodin war als Bildhauer bereits zu Lebzeiten weltbekannt, seine Zeichnungen und Aquarelle wurden von der Öffentlichkeit jedoch wenig gewürdigt und in dieser Farbauswahl noch nie gezeigt. Unsere Ausstellung ist somit eine Premiere!»

Bei Rodin verharrten seine weiblichen Modelle nicht in starrer Pose: «Macht, was ihr möchtet, aber seid natürlich!» sagte der Meister oft, während er mit schnellen Strichen die Bewegungen – gerne ungewöhnlich und freizügig, oft erotisch – in seinen Skizzen einfing.

Mit leichter Hand entstanden schnelle Studien. Obwohl er nur wenige Minuten darauf verwendete, verlor der Maler nicht den Blickkontakt zu seinen Musen.

Jean-Paul Monery zu Rodins Vorgehensweise: «Erst später sortierte Rodin die Vielzahl an Zeichnungen, wählte jene aus, mit denen er weiter arbeitete, verschob sie, schnitt manche sogar aus und trug schließlich transparente Aquarellschichten auf, ohne den Formen zu folgen. In manchen Arbeiten weicht die Zeichnung der Farbe und ist kaum noch zu sehen, verschwindet für etwas Abstraktes, womit der Künstler völlig neue Werke schuf.»

Für Rodin, so Monery, konnte der menschliche Körper zu einer Blume werden, zu einem Felsen oder gar zu einem Nachtfalter.»

Doch die zum Teil hoch sinnlichen Darstellungen stießen damals bei einigen Zeitgenossen auf Empörung, so dass sie den Damen sogar vom Besuch der Ausstellungen abrieten.

In Weimar  kam es 1905 zu einem Skandal, als Zeichnungen von Rodin zu sehen waren. Dieser führte sogar dazu, dass Harry Graf Kessler als Museumsdirektor zurücktrat.

Die Schau in Saint-Tropez umfasst 30 Werke, und es gibt wohl kaum einen geeigneteren Platz für die Präsentation als die Annonciade. Das Schmuckstück am Hafen ist ausgestattet mit einem erlesenen Fundus an vor Farben sprühenden, leuchtenden Bildern von Malern wie Paul Signac, Henri Matisse oder Alain Derain. Sie alle ließen sich hier von dem einzigartigen Licht inspirieren, und so gilt das Museum als ein «Tempel der Farben».

Die Ausstellung "Rodin et la couleur" ist noch bis zum 21. Juni im Museum Annonciade in Saint-Tropez zu sehen. Geöffnet täglich außer dienstags von 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr. Info: +33 (0)4 94 17 84 10

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