27.06.2010 0

Kunst & Kultur: 170 Werke von Giacometti werden ab heute in der Fondation Maeght ausgestellt

Unser Freund Alberto

Bei ihnen zu Hause gingen Künstler wie Alberto Giacometti, Marc Chagall oder Georges Braque ein und aus. Nun stellten die Schwestern Isabelle und Yoyo Maeght ihre große Sommerausstellung vor: «Giacometti & Maeght». Es ist die Geschichte einer tiefen Freundschaft zwischen ihrer Familie und dem Schweizer Meister.

Giacometti
Adrien Maeght, links, Sohn von Aimé und Marguerite, mit Alberto Giacometti bei der Vernissage in der Galerie Adrien Maeght am 11. Juni 1959. Copyright: Fondation Maeght

«Es ist eine Ausstellung rund um unseren Alberto», sagt Isabelle Maeght, Enkeltochter des begnadeten Kunstsammlers Aimé, vor den geladenen Journalisten. Bis zum 31. Oktober zeigt die Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence ab heute Bronzefiguren, Gemälde, Zeichnungen und andere Werke aus Alberto Giacomettis Schaffensperiode von 1946 bis 1966. Auch zahlreiche, bisher unbekannte Zeitdokumente sind dabei.

Zusammen mit ihrer Schwester Yoyo leitet Isabelle die Geschicke der Stiftung für zeitgenössische Kunst, die ihr Großvater 1964 gründete. Soeben wurden umfangreiche Umbauarbeiten für 1,3 Millionen Euro beendet – die ersten seit 46 Jahren. «Die Gemeinde Saint-Paul-de-Vence hat allerdings nichts dazu beigesteuert», verkündet die etwas unnahbar wirkende Isabelle. Stolz meint sie, «die Fondation Maeght ist damit nun ins 21. Jahrhundert eingetreten».

«Giacometti & Maeght» also. Die Ausstellung verspricht, den Rahmen aller bisherigen Veranstaltungen dieser Art zu sprengen. Denn ja, es geht um Kunst der höchsten Klasse. Aber es geht auch um die einzigartige, 20 Jahre währende Freundschaft zwischen Aimé Maeght, seiner Familie und dem großen Meister. Sie ist eigentlich das Herzstück.

Die beiden Männer lernten sich 1946 kennen, dank des Gründers der surrealistischen Bewegung, André Breton. Aimé hatte gerade seine Galerie in Paris eröffnet und fühlte sich sofort zu Giacometti hingezogen: Sie hatten gemeinsame Visionen, lagen auf derselben Linie, was die künstlerischen Ansichten betraf.

Er nahm Alberto unter Vertrag, ab 1951 finden seine Ausstellungen in der Galerie Maeght statt. 1959 schließlich, das Projekt einer Stiftung in Saint-Paul-de-Vence schreitet voran, bietet der Kunsthändler seinem Freund einen ihm und seinen Werken würdigen Raum an – eine Agora mit Blick auf die Hügellandschaft der Côte d’Azur.

«Alberto nahm an unserem täglichen Leben teil», erzählt Isabelle. «Meine Großmutter Marguerite trug stets Fotos geliebter Menschen bei sich im Portemonnaie: eines ihres Manns, ihrer Kinder und eines von Alberto.»

Die Zuneigung beruhte auf Gegenseitigkeit: In der diesjährigen Sommerausstellung sind denn auch drei der vier Portraits zu sehen, die der Künstler von Marguerite gemalt hat.

«Diese Ausstellung ist nicht nostalgisch, sondern sprüht vor Leben», ergänzt Yoyo Maeght.   PH

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