26.07.2011 0

Menschen & Lifestyle: Zwischen Wocheneinkauf und Luxus-Yacht

Das gehört einfach dazu!

Saint-Tropez ist das Paradebeispiel für eine Kleinstadt mit massenhaft Klischees: Da wären Promis wie Brigitte Bargot, Yachten und Ferienstimmung à la française das ganze Jahr. Aber auch im legendären Saint-Tropez gibt es eine Art Alltag – mit himmelweitem Unterschied zwischen den Jahreszeiten. Wie lebt es sich denn eigentlich im einstigen Fischerdorf? Die RCZ hat nachgefragt…

Saint-Tropez mal von einer anderen Seite: Dieser Blick auf den Stadtstrand im Viertel La Ponche entgeht so manchen Touristen
Saint-Tropez mal von einer anderen Seite: Dieser Blick auf den Stadtstrand im Viertel La Ponche entgeht so manchen Touristen

Auf die Frage, was sie von den vielen Touristen halte, antwortet Ingrid Weber-Ehrenberg schlicht: «Es gehört eben dazu.» Die 56-Jährige wohnt in Gassin, zirka acht Kilometer von Saint-Tropez entfernt, und hat sich inzwischen auf die Besucherströme eingestellt. Seit 2002 lebt sie an der Côte d’Azur und arbeitet als Tagesmutter. Damals habe sie einen Tapetenwechsel gebraucht: von Dortmund nach Gassin, und das ohne ein einziges Wort Französisch. Nach fast zehn Jahren kennt sie ihre Wahlheimat mittlerweile sehr gut: «Im Sommer gibt es auf den Straßen kein Durchkommen. Dann meide diese einfach ich zu Stoßzeiten und fahre abends in die Stadt.» Es wäre deshalb verständlich, wenn Anwohner den Winter herbeisehnten – und damit endlich Ruhe! Ingrid Weber-Ehrenberg aber sieht’s gelassen: «Angenehmer finde ich den Winter nicht – eben anders.» Zum Thema Promis kann sie so manche Anekdote erzählen. Lagerfeld, Schumi und selbst Brigitte Bardot habe sie schon gesehen.


Promis? Nein, danke.
Hanife Dogru bleibt bei dem Promi-Rummel in Saint-Tropez vollkommen ungerührt: «Ich schaue nicht nach Stars und habe auch bis jetzt noch keine gesehen. Es interessiert mich einfach nicht.» Die Hochsaison empfindet die 42-Jährige als anstrengend. «Nach Saint-Tropez rein fahre ich im Sommer nur zu bestimmten Zeiten, und zwar dienstags und samstags zum Markt», erklärt die Deutsche. Die Übersetzerin aus Düsseldorf kam durch ihr Studium in Aix-en-Provence in den neunziger Jahren das erste Mal mit der Region in Berührung. In Cogolin, wenige Kilometer westlich von Saint-Tropez, wohnt sie seit 2003. Und ihre bvorzugte Jahreszeit sei eindeutig der Winter.

Warum nur immer Saint-Tropez?
Ein Freund der Orte rund um Saint-Tropez ist Karl Josef Oberländer, Architekt aus Mönchen-Gladbach. Er distanziert sich ein wenig vom berühmten einstigen Fischerdorf – und schwört auf sein neues Zuhause Port Grimaud, wo er seit neun Jahren lebt. Seit er 2002 nach Frankreich kam, habe er so ziemlich jeden Beruf gehabt: Vom Nachtwächter über den Künstler bis zum Handwerker. «Im Sommer meide ich die Straßen nach Saint-Tropez. Und ob ich den Winter mag, das ist immer stimmungsabhängig», so der 75-Jährige. Promis seien Oberländer natürlich schon begegnet – Karl Lagerfeld oder Vanessa Paradis, aber das sei für ihn vollkommen unwichtig. Auch wenn dies der Aspekt sei, dem Saint-Tropez seinen Ruf verdanke. Er fühlt sich in dem ruhigeren Port Grimaud rundum wohl und will von dort am liebsten nie wieder wegziehen – weder nach Saint-Tropez noch nach Deutschland: «Port Grimaud hat schließlich auch einiges zu bieten!» 

Kristin Altmann

Ingrid Weber Ingrid WeberHanife Dogru Hanife Dogru

 


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