18.08.2010 0

Menschen & Lifestyle: Schall der "Air Sarko One" folgt Sarkozy in die Ferien nach Lavandou

Flugzeugträume

Wo macht der Papst Ferien, wohin reisen Merkel, Obama und all die anderen, wenn sie nicht regieren oder repräsentieren? Das fragen sich zur Zeit wieder viele Medien. Auf den Spuren der urlaubsreifen Mächtigen wählt die seriöse Süddeutsche Zeitung beispielsweise Frankreichs Regierungschef und sein Ehegesponst als Aufhänger. "Endlich mal Pause zwischen all den Regierungsgeschäften und Dreharbeiten: Nicolas Sarkozy und Carla Bruni sind soeben in Cap Nègre an der französischen Riviera eingetroffen", heißt es dort. Frankreichs Präsident und seine Gattin werden in der Villa von Carla Brunis Familie (in Le Lavandou) residieren. "Die Paparazzi liegen auf der Lauer - in der Hoffnung auf Badefotos."

Der Schein der Bescheidenheit des Staatschefs, der seinen Ministern strengstes Sparen verordnet hat, aber trügt. Insbesondere die Luxusansprüche an sein Dienstflugzeug folgen Sarkozy sozusagen mit Überschallgeschwindigkeit ins einfache Leben an der Côte d´Azur. "Air Sarko One in Turbulenzen", titelte eine Zeitung. Eigentlich, so berichten andere Blätter, wollte Nicolas Sarkozy im neuen Staatsjet einen Pizzaofen und eine Badewanne einbauen lassen. Nach viel öffentlicher Kritik am "Versailles der Lüfte" bekommt er aber nur Dusche und Mikrowelle.

Selten hat ein Flugzeug die Presse so beflügelt wie die neue Maschine des Präsidenten. Zwar wird die 176 Millionen Euro teure "Sarko One" erst im Oktober in den Dienst des Staatschefs gestellt - derzeit wird der Airbus in einem Hangar des Flughafens im südfranzösischen Bordeaux hergerichtet. Doch schon seit Wochen wabern Gerüchte um das neue Transportmittel.

So behauptete das Enthüllungsblatt "Le Canard Enchaîné", Sarkozy habe trotz Überschwemmungsgefahr bei Turbulenzen darauf bestanden, eine Badewanne in sein Luftschiff einzubauen. "Er wollte partout eine Badewanne", zitierte Canard einen Techniker. Außerdem verlautete, das Rauchmeldesystem werde umgebaut, damit er unterwegs Zigarren qualmen könne. Von einem "fliegenden Schloss" schrieben Blätter, einer Art Versailles der Lüfte.

"Sarkozy mit Zigarre und Carla in der Badewanne, und das in 12 000 Metern Höhe". Diese Vorstellung passt einfach zu gut ins Bild des Bling Bling-Präsidenten. Seine Gegner wussten sich dies zunutze zu machen. Die sozialistische Kandidatin bei der Präsidentschaftswahl 2007, Ségolène Royal, verlangte, Sarkozy solle sein Flugzeug abbestellen und das Geld nach der Devise "Dämme statt Wanne" in den Hochwasserschutz an der Atlantikküste stecken. Ex-Premier Dominique de Villepin, Intimfeind des Staatschefs, kritisierte: "In Krisenzeiten hätte er sich damit begnügen können, die alte Luftflotte zu benutzen."

Tatsächlich hat der Präsident vor der Sommerpause zum "Kampf gegen Verschwendung auf allen Ebenen der Regierung" aufgerufen. Die von Zigarren- und Reiseaffären gebeutelten Minister müssen sich künftig mit je 20 persönlichen Mitarbeitern begnügen, öfter Bahn fahren statt fliegen und auf Auslandsfahrten in Botschaftsgebäuden statt in Hotels schlafen.

Unter diesen Umständen mußten die Regierungssprecher ja abwiegeln: Das Präsidentenflugzeug habe "nichts Prahlerisches", versicherte Luc Chatel. Andererseits müsse die Ausstattung der fünftgrößten Weltmacht gerecht werden. Das Verteidigungsministerium, das die Maschine bezahlen muß, offenbarte am Ende Details der Air Sarko One. Danach gibt es statt der Badewanne nur eine Dusche. Im Flieger darf von niemand geraucht werden. Der Pizzaofen war schon vorher vom Tisch. "Sarkozy und seine Begleiter müssen sich also mit aufgewärmtem Essen begnügen" (SZ).

Rolf Liffers

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