06.03.2010 0
Menschen: Für die Meeresforschung wechselt Dr. Hartmut Nies von Hamburg nach Monaco
Nordseewind im Fürstentum
Nachdem ich die Reihe von piepsenden Gegensprechanlagen und die Prozedur der Hochsicherheitsschleuse überwunden hatte, war klar: Hier werden wichtige Aufgaben wahrgenommen. Die IAEA (Internationale Atomenergieorganisation) ist eine UNO-Organisation mit Hauptsitz in Wien, die sich als weltweiter Koordinator für die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit zur friedlichen Nutzung der Kerntechnik versteht. In Monaco unterhält sie das Marine-Umweltlabor. Dieses ist die einzige UNO- Einrichtung im Fürstentum.
Hartmut Nies geleitet mich durch den lang gestreckten Bau am Hafen vorbei an einer Vielzahl von Büros, Laboren, Meerwasseraquarien und Lagern für wissenschaftliche Musterproben in sein Büro. «Wir sind hier ein Team von insgesamt 40 Mitarbeitern aus allen Erdteilen», erklärt der Diplom-Chemiker. Das Institut wurde 1961 gegründet. «Die Standortwahl Monaco kam nicht von ungefähr», berichtet er , «denn bekanntlich widmete sich bereits Fürst Albert I. mit Leidenschaft der Meeresforschung sowie dem Erhalt der Umwelt und gründete das Ozeanografische Museum. Damit erwarb sich das Fürstentum schon damals in der internationalen Welt der Meeresforschung einen hervorragenden Ruf.»
Das radiometrische Labor gilt als weltweit führend auf dem Gebiet der marinen Strahlungsaktivität. Aufgabenschwerpunkte sind die Untersuchung radioaktiver und stabiler Isotope in der Meeresumwelt, um zeitliche Trends zu bewerten, ozeanografische Prozesse und klimatische Veränderungen zu analysieren und zukünftige Entwicklungen vorauszusagen. Der Meeresexperte erläutert: «Dafür entnehmen wir Proben von Fischen, Muscheln, Sedimenten oder Meerwasser aus den verschiedensten Gewässern weltweit. Diese werden aufbereitet und von bis zu 50 verschiedenen Laboren gemessen. Wenn die Ergebnisse eine hohe Zuverlässigkeit aufweisen, werden die Proben zu einem Referenz-Material. Dieses kann, auch noch Jahre später, anderen Instituten zur Verfügung gestellt werden, um eine Qualitätssicherung zu gewährleisten.»
So viel zur Theorie. Wie sieht seine Tätigkeit in der Praxis aus? Hartmut Nies: «Ein wesentlicher Bestandteil ist die Durchführung von Trainings, zu denen Mitgliedsstaaten junge Wissenschaftler entsenden. Dadurch befähigen wir die Länder, selbst zuverlässige Probeanalysen durchzuführen. Darüber hinaus sind natürlich die Aktivitäten im Bereich Klimaforschung von besonderer Bedeutung, denn das Meer ist ganz wesentlich am Wandel des Klimas beteiligt.»
Dabei kommen Dr. Nies nicht nur seine langjährige Erfahrung am BSH zugute, sondern auch seine Erkenntnisse aus anderen Auslandseinsätzen wie vor zwei Jahren in Estland. «Wir arbeiten ebenfalls an verschiedenen Forschungsprojekten mit, insbesondere dann, wenn es politisch heikel wird. Die IAEA ist eine neutrale Instanz und stellt valide Analysen zur Verfügung.»
In seinem neuen Umfeld schätzt der Hamburger besonders die kollegiale Zusammenarbeit und das hoch motivierte Arbeitsklima. «Die Region ist mir von verschiedenen Konferenzen und Urlauben schon etwas vertraut», erzählt der Vater eines erwachsenen Sohns und fügt hinzu: «Ich genieße vor allem den blauen Himmel, die unglaublichen Farben, den herrlichen Blick auf das Meer und die Sonnenaufgänge.»
Doch ab und an zieht es ihn auch zurück nach Hamburg. Denn der passionierte Golfspieler ist mit seiner Mannschaft vor kurzem in die höchste Spielklasse Schleswig-Holsteins aufgestiegen, und bei den Turnieren lässt er sein Team natürlich nicht gern im Stich.
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