05.01.2010 0
Menschen & Lifestyle: Vor 50 Jahren starb der französische Filmstar Gérard Philipe
Unvergessener Frauenliebling
In Frankreich und Deutschland gedenkt man seiner in Schulen, Kindergärten und Jugendzentren, die seinen Namen tragen, wie zum Beispiel im «JuKuZ» in Berlin.
Als Held wurde der am 4. Dezember 1922 in Cannes geborene Kultstar auch beigesetzt: seinem letzten Willen entsprechend im Kostüm des spanischen Nationalhelden El Cid, den der sentimentale Draufgänger 1951 im Theaterstück «Le Cid» von Pierre Corneille verkörperte. Damals feierte der junge Mime die ersten Erfolge in Jean Vilars Pariser Theater. Seine Filme sind bis heute nicht vergessen. Der deutsch-französische Sender arte widmete ihm an seinem Todestag im November gleich einen ganzen Themenabend.
In Ramatuelle zählt Philipes Grab heute zu den Hauptanziehungspunkten. Wenn die Besucherkameras den von einem großen Baum beschatteten kleinen Grabstein blitzen, leuchtet auch der Name seiner Frau Anne Philipe gülden auf. Ihr Roman «Nur einen Seufzer lang» war auch in Deutschland ein Bestseller. Seit 1990 ruht die damals 73-jährige Autorin und Schauspielerin an der Seite des Mannes, der als unwiderstehlicher Liebhaber in die Kinogeschichte einging. Seinem Charisma verdankt er triumphale Erfolge in Filmen von René Claire, Marcel Carné, Yves Allégret, Max Ophüls, Roger Vadim und René Clément. Seinen letzten Streifen drehte er mit Luis Bunuel.
Das Geheimnis seines Erfolges blieb umstritten. Viele hielten ihn schlicht für einen Günstling der Götter.
Andere sahen in ihm einen begnadeten Schauspieler. Jedenfalls war er Inbegriff der ewigen Jugend. In der Tragikomödie «Das große Manöver» spielte er 1955 mit Brigitte Bardot. Auch mit Jeanne Moreau stand er vor der Kamera. Er und Michèle Morgan galten jahrelang als Kinotraumpaar. Zum Mythos aber wurde Gérard Philipe vor allem durch Fanfan la tulipe («Fanfan, der Husar») mit Gina Lollobrigida, der zum Teil in Sospel, im Hinterland von Menton, gedreht wurde.
Philipe kämpfte an vielen Fronten – in seinen Rollen als Kleists «Prinz von Homburg», Shakespeares «Richard II» und «Ruy Blas» von Victor Hugo, aber auch als politisch engagierter Bürger. Lange Zeit war er Präsident der französischen Schauspielergewerkschaft. Aus seiner Vorliebe für den russischen Film machte er keinen Hehl. Er bemühte sich um eine französisch-chinesische Produktion und arbeitete als Regisseur von «Till Ulenspiegel» mit der Ostberliner DEFA zusammen.
Im Zweiten Weltkrieg hatte Gérards Vater Marcel Philipe in Grasse mit den deutschen Besatzern kollaboriert. Der Hotelier war Verwalter des Parc Palace, Treffpunkt der Deutschen. Sohn Gérard kämpfte derweil für die Befreiung von Paris in der Résistance. Nach dem Krieg wurde Marcel zum Tode verurteilt. Er floh nach Spanien und kehrte erst später nach Frankreich zurück.
In Ramatuelle verbrachte Gérard die Ferien oft im Hause seiner Schwiegereltern. Noch zwei Monate vor seinem Leberkrebs-Tod war er die große Attraktion bei der Eröffnung der dortigen neuen Weinkooperative. Nicht nur die Schule ist nach ihm benannt, sondern auch das jährlich stattfindende Theaterfestival.
Rolf Liffers
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