17.10.2010 0

Monaco: Die RCZ im Gespräch mit Fürst Albert II.

Märchen-Hochzeit unter freiem Himmel!

Fürst Albert hatte eine Handvoll Journalisten zu einem Gespräch in seinen privaten Schlossgarten gebeten. «Wie geht’s?» begrüßt er mich in bestem Deutsch und mit strahlendem Lächeln. Zum Münchner Oktoberfest könne er in diesem Jahr leider nicht kommen, aber beim monegassischen Oktoberfest im Café de Paris sei er auf alle Fälle dabei, verrät er mir noch schnell, bevor er zum Thema des Tages übergeht: seine weltweit mit Spannung erwartete Hochzeit mit Charlene Wittstock.

Fürst Albert und Petra Hall
Fürst Albert und RCZ-Chefredakteurin Petra Hall im Garten des Fürstenpalastes.

Die Überraschung ist perfekt, als der in blauem Blazer und beiger Hose gekleidete Landesherr eine Open-Air-Zeremonie auf dem kopfsteingepflasterten Platz vor dem Palast ankündigt. Also keine Feier in der ehrwürdigen Kathedrale, wo sich seine Eltern 1956 das Ja-Wort gegeben hatten und wo sie auch bestattet sind. Eine volksnahe Märchenhochzeit wünschen sich Albert und Charlene, an der etwa tausend geladene Gäste und möglichst viele Monegassen teilnehmen werden. «Und wenn es regnet?» entfährt es mir. «In Monaco regnet es nicht!» antwortet der Fürst gut gelaunt. «Aber natürlich werden wir für alle Fälle gewappnet sein.» Einen Verlobungsring trägt er nicht.

Die Vorbereitungen für das Fest laufen längst auf Hochtouren – Hotelzimmer am fraglichen Wochenende sind bereits stark gefragt. Neben den üblichen Schaulustigen werden allein 1500 akkreditierte Journalisten aus aller Welt erwartet. Mehr erzählt er an diesem Spätnachmittag nicht über das Ereignis, das Monaco – wie er hofft – einen weiteren Imagegewinn bescheren wird.

Abkommen mit Deutschland
Wir bleiben bei den positiven Nachrichten: Das Ende Juli unterzeichnete Steuerabkommen zwischen Monaco und Deutschland lässt ihn ebenfalls lächeln: «Ich bin sehr glücklich, dass wir diese überaus wichtige Etappe erreicht haben. Deutschland spielt eine maßgebliche Rolle in Europa», sagt Fürst Albert. «Jahrelang haben wir an diesem Vertrag gearbeitet, um unseren Willen zur Transparenz zu bekräftigen.» Das Fürstentum hat bisher insgesamt 24 Steuer-Abkommen unterzeichnet, dreizehn davon mit OECD-Ländern. «Wir werden weiterhin in diese Richtung arbeiten», versichert der Fürst. «Das ist auch wichtig für Unternehmen, die sich in unserem Land niederlassen.»

Der Tourismus floriert
Eine der Einnahmequellen Monacos ist der Tourismus. Auch da gibt es Gutes zu berichten. «Die Krise hat uns zwar nicht so hart getroffen, aber dennoch müssen wir immer neue Ideen für die Attraktivität des Fürstentums entwickeln.» Im Vergleich zu 2009 wurde in der diesjährigen Saison bis August ein Zuwachs von sieben Prozent bei den Hotelreservierungen verzeichnet. Die Anzahl der Kreuzfahrtpassagiere ist in den Sommermona-ten gar um 27 Prozent gestiegen.

Öffnung nach außen
Wenige Tage nach unserem Treffen im herrlichen Palastgarten mit altem Baumbestand und üppigen Bananenstauden flog Fürst Albert nach New York, um an der Generalversammlung der UNO und dem Beginn der Climate Week teilzunehmen. Anschließend ging es zum Internationalen Arktik-Forum in Moskau.

«Monaco spielt eine große Rolle als Verbindungsglied zwischen Staaten, die nicht sehr viel miteinander kommunizieren», so der Landesherr, dem die internationale Öffnung viel bedeutet und der sich mit seiner Stiftung Prince Albert II dem Umweltschutz und humanitären Projekten verschrieben hat.

Zu der Problematik der Roma befragt, die zurzeit besonders Frankreich beschäftigt, in Monaco aber allein schon
wegen des akuten Platzmangels nicht zum Tragen kommt, meint der Fürst: «Das ist ein sehr delikates, paneuropäisches Thema. Die Staatschefs, die dafür Lösungen finden müssen, tun mir Leid.»

Zum Abschied ein Versprechen
Schade, die vorgesehenen eineinhalb Stunden sind vorbei, es wäre noch so viel zu sagen! Zum Abschied bekomme ich Küsschen und das in Deutsch gegebene Versprechen, bei der 20-Jahresfeier der Riviera Côte d’Azur Zeitung 2012 dabei zu sein. Denn Fürst Albert weiß die Bedeutung der 144 verschiedenen Nationen in seinem Land zu schätzen.

PH

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