17.04.2012 0

Provence & Côte d'Azur: Rückzugsort in Carcassone

Breiviks Vater versteckte sich in Südfrankreich vor Reportern

Unter gewaltigem Medieninteresse hat am Montag in Oslo der Prozess gegen den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik begonnen. Sein mit seiner Frau Wanda in Südfrankreich lebender Vater Jens schämt sich für die Taten seines Sohnes in Grund und Boden.

Wie "The Guardian" berichtet, fragt sich Jens Breivik unaufhörlich nach seiner Schuld. Tagelang hatte sich der 76-jährige pensionierte Diplomat, der in Carcassonne fast 13 Stunden von der Polizei befragt wurde, vor Reportern versteckt.

Es ist ein schlichter Bungalow in einem unauffälligen Dorf am Rand einer südfranzösischen Kleinstadt, wo Breivik Senior wohnt. Ein unasphaltierter Weg führt von der Straße an ähnlich bescheidenen Gebäuden jüngeren Baujahrs vorbei zu den Gitterstäben eines großen elektrischen Tors. "Das Haus dahinter ist spärlich aber bequem eingerichtet. Drei mollige Katzen schweifen durch den Garten. Der Boden ist gekachelt, die Sofas glänzen, der Fernseher ist neu, aber nicht protzig."

Hier hatte er am 22. Juli 2011 die Nachrichten gesehen, ohne zu ahnen, dass es sich bei dem Attentäter um seinen Sohn handelte. Den ganzen Nachmittag und Abend des 22. Juli über konnte niemand sagen, wer der Täter war. Insgesamt waren 77 Menschen zu Tode gekommen. Acht Menschen bei dem Bombenattentat, 69 bei dem nachfolgenden Anschlag auf der Insel Utøya, die meisten von ihnen Teenager, Besucher eines Ferienlagers der sozialdemokratischen Partei.

Erst, als er am nächsten Morgen den Computer anstellte, sah Jens Breivik, dass man den Mann gefasst hatte, der das blutigste Massaker verübt hatte, das Europa zu Friedenszeiten erlebt hat. Und dass dieser Mann sein Sohn ist. "Ich war so schockiert. Ich wusste nicht was ich tun sollte", sagt er der Zeitung. Er sei wie gelähmt gewesen. "Abends kamen hier die Medien an, ich habe mich versteckt. Meine Frau hat gesagt, ich sei in Spanien."

"In den ersten paar Wochen habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, mir das Leben zu nehmen. Die Altersruhe, die mir immer vorschwebte, habe ich verloren - sie ist dahin."

Anders stammt aus Breiviks erster Ehe. Die Eltern waren erst zwei Jahre zusammen, als der Junge am 13. Februar 1979 zur Welt kam.

Breivik und seine jetzige (vierte) Frau Wanda sind sich sicher, dass er nie in der Lage sein wird, nach Norwegen zurückzukehren. "Ich habe Gefühle von Scham, spüre Schmach. Verdammnis" beschreibt er. Vielleicht bin ich doch schuld."

R.L.  

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