22.12.2011 0

Provence & Côte d’Azur: Die Auseinandersetzung zwischen Moskau und dem Kulturverein Arcor wurde zugunsten der Russen entschieden

Der Zwist um die russische Kirche in Nizza ist beendet

Das Tauziehen um eines von Nizzas beliebtesten Touristenzielen scheint ein Ende gefunden zu haben. Die Schlüssel der Basilika wurde nun in die Hände des Patriacharts von Moskau gegeben, neuer Rektor ist Nicolas Ozoline. Der bisherige Veranwortliche, Jean Gueit, konnte seine Enttäuschung über das gerichtliche Urteil nicht verbergen und sprach davon, dass "die Gemeinde um ihre Geschichte beraubt" wurde.

Kirche
Bald wieder für Besucher freigegeben? Die russisch-orthodoxe Kirche in Nizza.

In Gegenwart des Generalkonsuls der russischen Föderation von Marseille und eines Repräsentanten des Kremls feierten die neuen Eigner ausgiebig die Rückkehr der Kathedrale in den Besitz Moskaus. Nach über fünf Jahren juristischer Auseinandersetzungen herrscht nun endlich Klarheit über die Eigentumsrechte an der prachtvollen Basilika. Über 80 Jahre hatte das Gotteshaus unter der Verwaltung des Kulturvereins Arcor gestanden. Das Gelände, auf dem es steht, war vom letzten russischen Zaren, Nikolaus dem II., mit einem Erbpachtvertrag von 99 Jahren Laufzeit zur Verfügung gestellt worden. Als dieser 2007 ablief, zankten sich Arcor und der Kreml um die Besitzansprüche an der Kathedrale. Der Disput wurde gerichtlich in verschiedenen Instanzen ausgefochten und fand schließlich seinen Weg vor das Nizzaer Zivilgericht, wo man Ende Oktober den Russen recht gab. Der Kulturverein sollte umgehend die Schlüssel des Gebäudes an die Verantwortlichen aus Moskau überreichen, sonst drohten Strafen von 6000 Euro pro Tag (siehe Artikel hier).

Donnerstag vor einer Woche erfolgte dann die Schlüsselübergabe an Nicolas Ozoline, der vom Moskauer orthodoxen Patriachart als neuer Verantwortlicher der Kirche berufen wurde. Ozoline sieht seiner Aufgabe mit „viel Freude und Gelassenheit“ entgegen. Er lässt sich folglich nicht von den verbitterten Worten des vormaligen Rektors, Jean Gueit, abschrecken, der den Urteilspruch seinerseits als „Demütigung“ bezeichnet. Der Eingang des Gotteshauses werde 24 Stunden am Tag von einem Wachmann beaufsichtigt und er selbst habe eine Stunde warten müssen, bevor er das Gebäude betreten durfte. Das Gelände im Quartier du Parc, worauf die Kirche steht, sei zu einem „Territorium geworden, einer Art Botschaft“ und man selbst sehe sich als „Opfer einer geschichtlichen Beraubung.“

Friedlich verlief trotz allem die Übergabe der Schlüssel im Rahmen einer Messe am 11. Dezember.

Ob und wann die unter Denkmalschutz stehende Basilika wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird, wurde hingegen nicht bekannt.

C.M.

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