08.02.2012 0

Provence & Côte d'Azur: Wie es ist, von Brigitte Bardot «gerettet» zu werden

Lebenslang weggesperrt

Die Fondation Brigitte Bardot tut Gutes. Sie rettet Tiere aus Versuchslaboren, aus quälerischer Haltung, vor dem Tod, und die Medien feiern sie dafür. Doch was geschieht mit manchen dieser Tiere nach ihrer Rettung?

Tierpension
In diesen Verschlägen hausen die Tiere oft bis an ihr Lebensende

Marie-Laure und Marielle sind ehrenamtliche Helferinnen in einer Tierpension in Le Muy (Var), die um die 50 Hunde der FBB beherbergt. In dieser Pension gibt es weder Wasser noch Strom. Oft mussten die beiden Frauen Wasser aus einem nahen Teich herbeischleppen. Ob es für diese Pension überhaupt eine Genehmigung gibt, ist fraglich, da die gesetzlichen Vorschriften dafür nicht erfüllt sind.

Betty G., die von der FBB bezahlte Betreiberin, ist nur selten vor Ort, nachts sind die Tiere allein. «Sie haben etwas Auslauf und bekommen zu fressen, aber das ist auch alles», berichtet Marielle. «Die tierärztliche Versorgung ist gleich null. Wird ein Tier krank, hat es halt Pech. Sie sind fast immer allein, ohne Kontrolle, ohne Zuwendung. Außer uns Helferinnen kümmert sich niemand um sie. Manche dieser Hunde sitzen bereits seit vielen Jahren dort, und wenn ihnen keiner hilft, bis zum bitteren Ende.»

Denn an Adoptionen, die ihnen ein schönes Leben in Familien bieten könnten, ist Betty G. nicht interessiert, im Gegenteil. Die FBB zahlt ja für jedes Tier –  von Spendengeldern. In den eineinhalb Jahren, in denen die beiden Helferinnen dort tätig sind, wurden nur zwei Hunde vermittelt.

Auch in einer weiteren von der FBB finanzierten Pension in Carnoulès (Var) werden kaum Tiere adoptiert. Die Betreiberin wird «Hunger-Eve» genannt, weil die von ihr betreuten Tiere viel zu mager sind. Hier reicht es nicht einmal zum Sattwerden.

Bei der Flutkatastrophe im November (RCZ berichtete), wies Betty G. erst einmal jede Hilfe zurück. Als die Fluten jedoch immer höher stiegen, waren viele Menschen vor Ort, um die Tiere zu evakuieren. Der Tierschutzverein «Joshi die 2. Chance», der 20 Hunde aufgenommen hatte, bot der FBB Hilfe bei der Vermittlung an. Eine Antwort oder gar ein Dankeschön seitens der FBB an die Helfer gab es nicht. Sämtliche Hunde wurden schnell zurück in Betty G.s Pension geholt, in der sie erst wenige Tage zuvor Todesängste ausgestanden hatten und die immer noch einer Schutthalde glich.

Nun allerdings geriet die FBB von mehreren Seiten unter massiven Beschuss. Die Vorwürfe: Gegen das Wohl der Tiere zu handeln, Spendengelder zu verschleudern und künstlich Kosten zu erzeugen, um den staatlichen Zuschuss für gemeinnützige Stiftungen beizubehalten. Die FBB gab nach und will nun als Ansprechpartner für Adoptionen zur Verfügung stehen. Man wird sehen.

Marie-Laure und Marielle, die bei der Flutkatastrophe bis zum Bauch im Wasser standen und halfen, wo sie nur konnten, haben mittlerweile Hausverbot bei Betty G. Ihnen wird vorgeworfen, mit ihrer Rettungsaktion «Hundediebstahl» begangen zu haben.

«Hätten wir es doch getan!» bedauert Marie-Laure. «Dann würde es wenigstens diesen Tieren jetzt gut gehen.»

H. Salinger

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