08.02.2012 0

Provence & Côte d’Azur: Sinkende Kriminalität an der Côte

Priorität Sicherheit

Die Politiker scheinen es verstanden zu haben: Die Sicherheit der Bürger und Besucher ist ein extrem wichtiger Faktor für die Entwicklung der Region. Langsam greifen die Maßnahmen zur Senkung der Kriminalität an der Côte d’Azur. Die verbliebenen schwarzen Punkte wollen sich die verschiedenen Polizeieinheiten der Alpes-Maritimes 2012 intensiv vornehmen.

Police Municipale
Police Municipale. Foto: Peter Hacker

Der politische Wille ist deutlich spürbar in den Alpes-Maritimes: Das Departement und dessen Hauptstadt Nizza müssen sicherer werden. Ein Anfang ist gemacht, schenkt man den Statistiken von 2011 Glauben. Die Präfektur und die Stadt Nizza gaben Mitte Januar fast gleichzeitig ihre Zahlen zur Kriminalität und Sicherheit auf den Straßen bekannt.

Als «außergewöhnliches Jahr» bezeichneten Präfekt Jean-Michel Drevet wie auch Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi das zurückliegende. Tatsächlich standen die Sicherheitskräfte durch die Immigrationswelle im vergangenen Frühling und den G20-Gipfel in Cannes im November vor ganz besonderen Herausforderungen. Drevet und Estrosi verbargen ihren Stolz nicht, dass das Politiker-Treffen ohne jegliche Zwischenfälle ablief. Selbst in Nizza, wo der «Anti»-G20 stattfand, war alles friedlich. Eine Folge der Prävention und Koordinierung, so Estrosi.

Insgesamt ist die allgemeine Kriminalität im Departement mit 0,75 Prozent geringfügig gestiegen, im Verlauf der letzten zehn Jahre sank sie jedoch um 26 Prozent. Ein sehr gutes Ergebnis verzeichnet die délinquance de proximité: Delikte wie Raubüberfälle, Taschendiebstahl und Brandstiftung verringerten sich 2011 um fast acht Prozent – trotz konstanter Einwohner- und Touristenzahlen. 2001 waren es noch 48 Prozent mehr!

Drei verschiedene Polizeieinheiten sorgen für Frankreichs Sicherheit: Die police nationale, die gendarmerie (beide unterstehen der Präfektur) und die police municipale der jeweiligen Städte. Oft arbeiten sie zusammen. Die gemeinsame Tendenz ist positiv, wobei jedoch nicht in allen Bereichen rosarote Zahlen zu finden sind.

Viel Positives gibt es also derzeit in Sachen Sicherheit in den Alpes-Maritimes zu berichten. «Die Zahlen sprechen für sich», sagte Präfekt Jean-Michel Drevet gegenüber der Presse. Das gilt allerdings ebenfalls im umgekehrten Sinne: Einbrüche nahmen im Departement um fast vier Prozent zu. 2012 soll mit noch mehr Videokameras und der Aktion «Wachsame Nachbarn» gezielter gegen cambriolages vorgegangen werden.

Beim Diebstahl von Zweirädern explodierten die Zahlen geradezu. In den letzten Monaten des Jahres 2011 wurden täglich bis zu fünf gestohlene Motorräder gemeldet! Offensichtlich handelt es sich hier um organisierte Banden, die ihre Beute über Genua nach Nordafrika verschiffen.

Positiv lesen sich die Unfallzahlen (minus 10,8 Prozent) und die der Verletzten im Straßenverkehr (minus 12,9 Prozent). Im Vergleich zu 2010 gab es jedoch einen Verkehrstoten mehr. 46 Prozent der tödlichen Unfälle betrafen Motorradfahrer. Nun soll die Anzahl von  Radargeräten aufgestockt werden. Denn überhöhte Geschwindigkeit zählt neben Trunkenheit am Steuer immer noch zu den Hauptunfallursachen.

Ein Spiegel unserer Gesellschaft, so der Präfekt, ist die Nutzung gefälschter Kreditkarten und Internetpiraterie. In dem Bereich gab es eine Steigerung von 1,7 Prozent, während der Scheck-Diebstahl stark abnahm.

Ein heikles Thema ist nach wie vor die illegale Immigration. Die RCZ berichtete bereits im März vergangenen Jahres darüber, dass unrechtmäßige Einwanderer, die vor allem im Zuge der Aufstände aus den Maghreb-Staaten nach Südfrankreich gelangt waren, härter verfolgt würden. In Folge dessen wurden die Grenzkontrollen weiter verschärft: 2011 sind dabei 163 passeurs mit gefälschten Papieren gefasst worden, das entspricht 16 mehr als 2010. Der Großteil der Immigranten kommt aus Tunesien. Aber macht sie das gleich zu Verbrechern? Tatsache sei, so ein Vertreter der Gendarmerie gegenüber der Presse, dass viele (Wiederholungs-) Straftäter, die in der Gegend aktiv sind, aus den Nizzarder Vororten Ariane oder La Trinité stammen, Viertel mit hohem Immigrantenanteil.

Christina Mikalo  

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