08.02.2012 0

Provence & Côte d’Azur: Yohji Yamamoto ist in diesem Jahr Jurypräsident des internationalen Modefestivals von Hyéres

Schneider der Zeitlosigkeit

Vom 27. bis 30. April trifft sich die internationale Fashionszene in Hyéres auf der Suche nach den Talenten von Morgen. Mit Yohji Yamamoto wird dieses Jahr einer der profiliertesten Designer das Festival für Mode und Fotografie leiten. Für die bis 27. Mai gezeigte Ausstellung „Schneider der Zeitlosigkeit“ bewarben sich 700 Fotografen um zehn Ausstellungsplätze in der Villa Noailles.

Yohji Yamamoto
Yohji Yamamoto. Foto: Koichi Inakoshi

Der deutsche Filmregisseur Wim Wenders, der 2011 mit seiner Dokumentation über Pina Bausch („Pina“) von sich reden machte, hatte zuvor schon ein Filmportrait über Leben und Wirken von Yohji Yamamoto gezeichnet. Doch der Japaner selbst will nach eigenen Worten gar nicht als Modeschöpfer betrachtet werden, sondern ganz einfach Schneider sein. Jetzt kommt dieser „Schneider“ nach Hyères-les-Palmiers - als Präsident der Jury des 27. Festivals für Mode und Fotografie, Ende April.

Und warum will der Japaner kein Modezar sein? Weil er im Grunde „die Mode hasst. Denn sie hechelt nur Trends hinterher. Ich aber will zeitlose Eleganz. Die Mode hat keine Zeit. Ich schon“, erklärte der 68-jährige Designer aus Yokohama, dem „die Vergänglichkeit des konventionellen Modebetriebs“ ein Greuel ist. Sein Markenzeichen: Mit Farben und Accessoires geht er eher sparsam um. Yamamoto kombiniert traditionelle Kleidung, auch japanische Arbeitskleidung, mit modernem Sportzeug, um Streetwear-Chic (beispielsweise von Kimonos inspirierte Trenchcoats und Hemden) zu erzeugen. Seine Damenkollektionen gelten als schlicht und androgyn, werden gar als Herrenmode für Damen bezeichnet. Statt High-Heels tragen seine Models meist flache Schuhe und schlichtes Make-up.

Der Modewelt scheint seine Handschrift dermaßen unter die Haut zu gehen, dass die Festivalveranstalter dringend empfehlen, sich frühzeitig (ab Anfang April) um Eintrittskarten zu bemühen, wenn man einen von den 800 Sitzplätzen für die (übrigens kostenlosen) Défilés ergattern will.

Als Jury-Präsident tritt Yamamoto, dessen Mode stets im obersten Preissegment angesiedelt war, in die Fußstapfen vieler anderer berühmter Modemacher (wie Karl Lagerfeld), die auf diese Weise den kreativen Nachwuchs fördern wollen. Erstmals fürs Festival in Hyères war Yamamoto am 22. Januar in Paris tätig geworden. Gemeinsam mit den übrigen acht Mitgliedern der Jury wählte er die zehn Kandidaten aus neun Ländern aus, die sich gegen eine Konkurrenz von 290 Mitbewerbern aus 26 Nationen durchgesetzt hatten. Schlechte Nachricht: Diesmal ist kein deutscher unter den letzten Zehn.

Noch größer als bei den Nachwuchs-Couturiers war in diesem Jahr der Andrang bei den Junior-Fotografen. Insgesamt bewarben sich 700 (!) junge Leute, um zu den zehn Auserwählten zu gehören, die (bis zum 27. Mai) in Hyères (Villa Noailles) ausstellen dürfen.

Yamamoto gilt zwar als einer der profiliertesten Modekünstler. Für seine Kollektionen wurde er mehrfach international ausgezeichnet. Wirtschaftlich geht es ihm jedoch nicht mehr so toll. Oktober 2009 musste er nach sinkenden Umsätzen Konkurs anmelden. Von Managementfehlern war die Rede. Die Firma stand plötzlich mit 45 Millionen Euro in der Kreide. Yamamoto selbst war Eigentümer und Kreativchef. Fürs Geschäft aber hatte er seine Leute.

Inzwischen hat eine japanische Beteiligungsgesellschaft die Mehrheit der Unternehmensanteile übernommen. Etliche Boutiquen wurden geschlossen. Die Y's Kollektion für Herren wurde eingestellt oder in die Hauptlinie für Herren, Yohji Yamamoto Homme, übernommen. Alle anderen Kollektion wurden fortgeführt.

Für seine Herrenkollektion Yohji Yamamoto Homme kehrte Yamamoto mit der Modenschau Herbst/Winter 2010-11 unter dem Motto „The Men“ nach fast 20 Jahren Paris nach Tokio zurück und präsentierte seine hauptsächlich in schwarz gehaltene Kollektion vor 3000 Zuschauern an prominenten Models. Die Modenschau für die Saison Frühjahr/Sommer 2011 wurde wieder in Paris gezeigt. Yamamoto hat inzwischen angekündigt, in China demnächst eigene Boutiquen eröffnen zu wollen.

Es geht also wieder bergauf! Und wer will sich schon einem Mann in den Weg stellen, der Träger des Schwarzen Gürtels und seit 2000 Präsident der Welt-Karate-Vereinigung ist?

Rolf Liffers

 

(www.villanoailles-hyeres.com)



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