23.02.2013 0

Provence & Côte d'Azur: Lebensgefühl des Südens

Wochenmarktbummel in Valbonne

Teil 2 unserer Wochenmarkt-Reportage: Es ist Markttag im kleinen Valbonne. Ein buntes Treiben erfüllt die Straßen. Die Händler sind an diesem Morgen genauso international wie ihre Kunden. Markt, das ist nicht einfach nur der Einkauf von Lebensmitteln. Markt, das ist auch ein Stück Lebensqualität.

valbonne
Gunilla und Lars Högstedt kommen regelmäßig extra aus Nizza, weil sie den Markt in Valbonne so mögen

Solange Thiery kommt jeden Freitag aus dem Bergdorf Beuil angereist, anderthalb Stunden weiter nörd- lich. Sie vertreibt ihre Ware ausschließlich auf Märkten. Mehr gibt die kleine Imkerei, die sie und ihr Mann betreiben, nicht her. Jetzt im Winter kommen viele Stammkunden, sagt sie, im Sommer seien es überwiegend Touristen. Alle Nationalitäten seien vertreten, und auch Pariser und andere Nordfranzosen.

Ihr Kollege José Trestour, nach eigenen Angaben ältestgedienter Händler in Valbonne, baut seinen Stand mit Wurst- und Käsespezialitäten seit 23 Jahren allwöchentlich dort auf. «Auch wenn es regnet, bin ich da – schließlich kann ich meine Stammkundschaft nicht enttäuschen.» Gerade läuft ihm eine Kundin weg, der die Warteschlange offenbar zu lang war. «Auf den Markt muss man Zeit mitbringen!» findet José. «Hier geht es doch um Kundennähe und ein bisschen Gemütlichkeit. Wer es eilig hat, sollte in den Supermarkt gehen. Aber da steht man auch an!»

Nelly Goudon packt ihr Wurstpaket in die Tasche. Sie lebt in Nordfrankreich, aber immer, wenn sie ihre Tochter hier im Süden besucht, kommt sie auf den Markt. «Ich liebe Valbonne! Hier ist immer was los, und man wird herzlich empfangen.» Die Deutsche Jördis Kimpfler lebt in dem Ort, der auch dank des benachbarten Technologieparks Sophia-Antipolis viele Ausländer anzieht. Auf den Markt komme sie eher selten, weil das Warenangebot sie weniger reize. Aber jetzt, in den ruhigeren Monaten, gefällt auch ihr der Bummel mit Töchterchen Greta und Freundin durch die angenehm belebten Gassen. Und ein Produkt, verrät sie, kaufe sie doch immer wieder hier: Marmelade.
Gunilla und Lars Högstedt haben sich vor einiger Zeit in Nizza zur Ruhe gesetzt. Von dort kommen die beiden Schweden regelmäßig auf den Markt in Valbonne – vor allem wegen einer bestimmten Tapenade. Sie schätzen aber auch das internationale Flair in dem putzigen kleinen Dörfchen.

Vor allem die Qualität der Kunden überzeugt Verkäuferin Valérie Second und ihren Mann Bruno. Aktuell verkaufen die Zwei warme Stricksachen, im Sommer Kleidung aus Leinen. Auch sie bauen ihren Stand von Dienstag bis Samstag jeweils in einer anderen Stadt auf und lieben ihr Händlerdasein: ein wenig das Nomadenleben, den Kundenkontakt und speziell in Valbonne das hübsche Ambiente. Selbst im Regen und bei eisigen Temperaturen stehen sie brav unter ihrer weißen Zeltplane: «Märkte», erklärt Valérie, «sind hier in der Region einfach unglaublich beliebt.»
Und das kommt nicht von ungefähr: Pittoreske Dörfer, provenzalische Spezialitäten und  300 Sonnentage im Jahr sind die Garanten schlechthin für fröhliches Freiluft-Shopping.

Aila Stöckmann

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