06.12.2011 0
Sport: Wird der AS Monaco nun durchgereicht in die dritte Liga?
Fußballer im freien Fall
Es war einer der größten Momente in der Karriere von Ludovic Giuly, jener 26. Mai 2004. Champions-League-Finale in Gelsenkirchen. Giuly trat mit dem AS Monaco, damals amtierender französischer Meister, gegen den FC Porto an – und verlor 0:3. Trotz der Niederlage hatte die Saison für Guily einen versöhnlichen Abschluss: Er durfte zum FC Barcelona wechseln.
Das alles ist sieben Jahre her – und sieben Jahre sind im Fußball bekanntlich eine halbe Ewigkeit. Dennoch reibt sich so mancher, der sich die momentane sportliche Situation des AS Monaco betrachtet, ungläubig die Augen. Als erwache er aus einem bösen Traum. Oder aus einem «Alptraum», wie die französische Sportzeitung L’Equipe kürzlich schrieb. Monaco, in der vergangenen Saison aus der Ligue 1 in die Zweitklassigkeit abgestiegen, ist auch eine Etage tiefer Letzter und befindet sich nicht nur nach Meinung der Tageszeitung Le Figaro derzeit «im freien Fall». Aus dem einstigen Aushängeschild des Fürstentums ist ein Sorgenkind geworden.
Der Niedergang des stolzen Clubs – siebenmal holten die Monegassen die französische Meisterschaft, fünfmal den nationalen Pokal – hat auch etwas mit Ludovic Giuly zu tun. Der kehrte nach Stationen bei AS Rom und Paris Saint-Germain zu Beginn dieser Saison wieder nach Monaco zurück. Doch Giuly war lange verletzt, ein Muskelriss in der Wade zwang ihn zum Zuschauen. Erst Anfang November gab er beim Heimspiel gegen Le Mans FC (2:2) sein Comeback.
Der 35-Jährige ist zwar fast schon im sportlichen Pensionsalter angekommen, doch mit seiner Erfahrung, seiner Technik und Übersicht ist der Kapitän eine der Stützen des Teams. Zumal Trainer Marco Simone verstärkt auf junge Spieler aus dem vereinseigenen Nachwuchszentrum setzt.
So standen gegen Le Mans fünf Spieler in der Startformation, die noch keine 21 Jahre alt sind. Zwar gilt das Sportinternat des AS als eines der besten des französischen Fußballs und brachte Stars wie Lilian Thuram, Emmanuel Petit oder Thierry Henry hervor. Doch müssen sich die Talente erst an den rauen Wind der Zweitklassigkeit gewöhnen.
Die Entwicklung des Teams brauche Zeit, betont Marco Simone deshalb immer wieder.
Wie recht er damit hatte, beweist die aktuelle Situation: Erst einmal gingen die Monegassen in dieser Saison als Sieger vom Platz. Die Hoffnungen auf eine Wende ruhen deshalb nicht zuletzt auf dem wieder genesenen Ludovic Giuly. Auch er fordert, dem jungen Team Zeit zu geben, sich zu entwickeln.
Bis zur Winterpause geht es für den AS Monaco erst einmal darum, die Rote Laterne der Ligue 2 wieder loszuwerden.
Die Ziele sind eben bescheidener geworden in Monaco. Jener Abend im Mai 2004 in Gelsenkirchen ist tatsächlich schon eine halbe Ewigkeit her.
Peter Hacker
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