05.09.2010 0
Thema: Wie steht es um die Tierwelt im Mittelmeer?
Artenvielfalt oder Artensterben
Der Schutz des Mittelmeeres steht im Zentrum der Arbeit unzähliger Organisationen. In Monaco und Villefranche-sur-Mer liegen dicht beieinander gleich zwei Forschungsinstitute an der Küste. Monaco liegt dieses Thema besonders am Herzen, es wird der Fürstenfamilie quasi in die Wiege gelegt. Der im Naturschutz sehr engagierte Fürst Albert II ist Präsident der CIESM (Commission Scientifique de la mer Méditerranée).
Aber auch die Universität in Nizza beschäftigte sich in Kooperation mit dem Lions Club Nice Doyen mit dem Thema. Unter der Leitung des Professors Alexandre Meinesz kam dabei ein Buch mit dem Titel “Mer vivante” heraus, dass Ende Juli der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Dieser Gratis-Führer ist eine Neuedition mit einer Auflage von 20 000 Exemplaren und kann in vielen Häfen und Clubs an der Mittelmeerküste eingesehen werden. Er informiert über die lebende Vielfalt des Mittelmeeres und gibt einen hoffnunsfrohen Ausblick auf den Arterhalt der maritimen Tierwelt. Es sei noch keine Spezies im Mittelmeer ausgestorben und zahlreiche Maßnahme sorgten dafür, dass dies auch so bleibe. Im Gegensatz, mancher Tierbestand erhole sich sogar wieder.
Dagegen spricht ein nur kurze Zeit später, Anfang August, veröffentlichter Bericht der amerikanischen “Public Library of Science”. 360 Wissenschaftler hatten eine “Meeresvolkszählung” vorgenommen um den weltweiten Artenbestand zu katalogisieren. Ihr Befund: Von allen Weltmeeren sind die Tiere im Mittelmeer am stärksten bedroht. Durch seine geographische Abgeschlossenheit und die geringe Größe wirke sich hier der Eingriff des Menschen am massivsten aus. Überfischung und Verschmutzung sowie starker Schiffsverkehr haben wesentlich dramatischere Resultate als in den großen Ozeanen.
Die Forscher kamen auch zu einem anderen, erstaunlichen Ergebnis. Mehr als sechshundert Arten, etwa vier Prozent aller bekannten Arten im Mittelmeer, sind quasi ortsfremd. Sie wanderten über die Jahre ein. Das ist ebenso eine wesentlich höhere Zahl, als in jedem anderen Ozean. Gründe hierfür könnten die verhältnismäßig milden Bedingungen vor Ort sein. Vielen Spezies fällt es leicht sich hier anzusiedeln. Der endgültige Bericht des Projektes soll im nächsten Jahr vorliegen.
Die Wissenschaft mag sich uneins sein, Fakt ist, dass sein einiger Zeit wieder des öfteren Tiere vor Frankreichs Küste gesichtet werden, die als gefährdet gelten. Ausflugsschiffe berichten davon immer öfter Walfamilien zu begegnen, auch der Anblick von Delfine ist nichts Ungewöhnliches. Der Fund der Meeresschildkröte vor Marseille ist hierfür ein weiterer Beweis und gibt Grund zur Hoffnung.
LS
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