30.07.2010 0
Themen: In Spanien sorgt ein Stierkampf-Verbot für Wirbel. Was bedeutet die Entscheidung für Fréjus & Co.?
Wohin geht die Zukunft der "ferias" in Südfrankreich?
Das Stierkampfverbot im nordostspanischen Katalonien wurde am Mittwoch mit 68 gegen 55 Stimmen der Parlamentsabgenordneten (bei neun Enthaltungen) durchgesetzt und geht zurück auf eine Initiative von Tierschützern. Konkret bedeutet dies, dass die einzig verbliebene Stierkampfarena der Region in Barcelona ab 2012 geschlossen wird. 15 der blutigen Wettkämpfe finden hier aktuell pro Jahr statt.
Die Kanarischen Inseln waren die erste spanische Region, die den umstrittenen Brauch bereits vor knapp 20 Jahren gesetzlich untersagte. In Restspanien finden immer noch rund 1000 corridas pro Saison statt, die mit dem Tod des Stiers in der Arena enden.
Auch Südfrankreich ist seit Jahrzehnten Schauplatz des blutigen Spektakels. In vier von 22 Regionen, darunter die Region PACA (Provence-Alpes-Côte d’Azur), ist die Tradition fester Bestandteil des lokalen Brauchtums. Obwohl Umfragen zufolge sich die große Mehrheit der Franzosen gegen die tierquälerische Show ausspricht, richten Dutzende Städte im Süden des Hexagons die so genannten ferias aus.
Zwar gibt es hier auch die unblutige Variante des course camarguaise (auch course à la cocarde oder course libre genannt), bei dem der Stier nicht getötet, sondern ihm lediglich eine zwischen den Hörnern befestigte Quaste (cocarde) entrissen wird. Aber die klassische, mit dem Tod endende Version ist nach wie vor weit verbreitet.
In Fréjus an der Côte d’Azur etwa finden die Stierkämpfe seit mehr als einem Jahrhundert statt. Dass sie in den vergangenen Jahren ausfielen und auch 2010 nicht ausgerichtet werden, ist lediglich den umfassenden Renovierungsarbeiten des römischen Amphitheaters der Stadt geschuldet. Tierschützer kämpfen derweil verbissen gegen eine Wiederaufnahme der Stierkämpfe nach Abschluss der Arbeiten (frühestens 2011).
In der französischen Nationalversammlung arbeitet ein Teil der Abgeordneten an einer Änderung des Gesetzes, das zwar Tierquälerei verbietet, aber eine Ausnahmeklausel für Stierkämpfe enthält. Das katalanische Verbot könnte für sie den entscheidenden Schub nach vorne bedeuten.
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