14.02.2011 0

Wirtschaft: Partnerschaftsabkommen zur Verstärkung der transnationalen Zusammenarbeit in Ligurien unterzeichnet

Ambitionierte Projekte: Nizza und Genua blicken gemeinsam in die Zukunft

Am Freitag trafen sich die Bürgermeister Nizzas und Genuas in der ligurischen Hauptstadt, um ein Abkommen zur Verstärkung der Partnerschaft zwischen den zwei Städten zu unterschreiben. Das von Christian Estrosi und Marta Vincenzi unterzeichnete Protokoll beinhaltet vier Großprojekte, mit welchen neben einer verbesserten Zug- und Autobahnverbindung zwischen den beiden Mittelmeerstädten auch eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit angestrebt wird.

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Neben einer verbesserten Zug- und Autobahnverbindung wird auch eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Nizza und Genua angestrebt.

Ein Hauptanliegen des Zusammentreffens von Estrosi und Vincenzi in Genuas Palazzo Tursi im Herzen von Europas größtem centro storico, war die Bekräftigung des gemeinsamen, vieldiskutierten Projekts einer Schnellzugverbindung zwischen den beiden Metropolen. Vor weniger als einem Monat erklärte sich der französische Staat bereit, das Vorhaben des Angleichs der Gleise an das italienische System zwischen Nizza und Ventimiglia finanziell zu unterstützen. Auf italienischer Seite setzt sich Marta Vincenzi nun für den Gleisausbau zwischen Genua und dem Grenzort Ventimiglia ein.

Bis 2018 soll die Dauer der Zugfahrt zwischen den beiden Städten schließlich auf eineinviertel Stunden reduziert werden. Christian Estrosi betonte die Bedeutsamkeit dieser Verbindung, die die italienischen Schnellzüge bis in den Gare Multimodale de Saint-Augustin einfahren lassen werden. Letzterer soll in naher Zukunft vor Nizzas internationalem Flughafen errichtet werden. Die Verknüpfung dieser wichtigen Umschlagsplätze symbolisiert die Schaffung eines neuen wirtschaftlichen Beckens, das seine Hauptachsen mit weiteren geplanten Gleisarbeiten auf den Strecken nach Mailand und Turin ausbaut.

Auf lange Sicht ist auch eine Orientierung nach Mitteleuropa geplant. Der Sankt-Gotthard-Tunnel könnte als Tor für den Weg in Europas Herz eine große Rolle spielen. Ob München von Nizza aus in fünf Stunden mit dem Zug zu erreichen sein wird, wird sich allerdings erst in 30 Jahren zeigen.

Ein zweites Großprojekt, für das sich Marta Vincenzi und Christian Estrosi einsetzen, ist die Verbesserung der Autobahnverbindung zwischen Nizza und Genua. Mit Einführung einer Eurovignette und Maut sollen weitere gemeinsame Vorhaben finanziert werden.

Die Stadt Genua führt momentan den Vorsitz des Netzwerkes Eurocities. Estrosi ist Präsident des Partnerschaftsabkommens Euromed, welches das gegenseitige Verständnis und den gemeinsamen Dialog der Kulturen im Mittelmeerraum zu fördern versucht. Dies sind gute Vorraussetzungen, um sich gemeinsam bei dem Projekt Smartcities zu bewerben, ein weiteres Vorhaben, für das sich die Bürgermeister der beiden Städte entschieden haben.

Estrosi sieht im Großraum Nizza-Genua schließlich einen intelligenten pôle métropolitain, der mit seiner Öffnung zum Mittelmeer hin ein bedeutendes wirtschaftliches Becken bilden wird. Die von der Europäischen Union geförderte transnationale Zusammenarbeit hat nicht zuletzt zum Ziel, einen attraktiven Raum zu erschaffen, der internationale Investoren anziehen soll.

Kritiker sehen in den Intensivierungen der Beziehungen zwischen den Städten Genua und Nizza ein strategisches Manöver Estrosis, der es immer wieder schafft, mit neuen Ideen und Einfällen auf sich aufmerksam zu machen. Mit Blick auf die Schnellzugverbindung zwischen Marseille, Toulon und Nizza, auf dessen Realisierung Estrosi nicht länger warten will - Mitte Januar stellte er der neuen Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet ein Ultimatum zur Anerkennung der Arbeiten zwischen Nizza und Ventimiglia - kann das unterzeichnete Partnerschaftsabkommen als bedrohlicher Schachzug verstanden werden. Die Rolle des französischen Mittelmeerhafens in Marseille als wichtiger Umschlagplatz und fast obligatorischer Zwischenstop für einen Großteil von Handelsgütern aus dem Mittelmeerraum könnte durch Nizzas enge Beziehungen zu Genua gefährdet werden.

 Johannes Dahm

 

 

 

 

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