08.08.2011 0
Wirtschaft: In Nizza eröffnet Frankreichs modernstes Servicecenter
Mietwagen am Fließband
Was an großen Flughäfen im deutschsprachigen Raum schon fast als Standard betrachtet wird, ist in Frankreich eine Neuheit: ein Mietwagenzentrum, in dem die Kunden ihren Wagen an einem Ort abholen und zurückbringen – ganz gleich, bei welchem Autovermieter sie ihr Fahrzeug gebucht haben.
Geplant und verwaltet wird das 40 Millionen Euro teure Service-Center von dem deutschen Dienstleister arwe, der vor 20 Jahren das erste Mietwagencenter dieser Art in München eröffnete. Dass arwe solch eine Einrichtung am zweitgrößten französischen Flughafen in Betrieb nimmt, liegt nicht nur an der starken Nachfrage an Mietautos. «In Gesprächen mit den Autovermietungsgesellschaften haben sich rasch konkrete und konstruktive Ansätze gefunden, ein solches Modell für Nizza zu konzipieren», so arwe-Marketingleiter Donald Peschla.
Das Geschäftsmodell basiere auf der Idee, den Turnaround-Prozess – den Kreislauf von der Vermietung über die Reinigung bis zum erneuten Verleih – für alle Autovermieter unweit des Terminals effizient abzuwickeln. Vorteile bieten sich Dienstleistern wie Kunden: «Für die Mietwagengesellschaften ergibt sich eine schnellere Wiedervermietbarkeit ihrer Fahrzeuge», so Peschla. «Der Kunde erfährt ein Höchstmaß an Komfort, er kann sich besser orientieren und hat kurze Wege von und zum Terminal.»
Konkret sieht das so aus: Die Kunden finden in der Empfangshalle sämtliche Autovermieter vor. Nachdem sie dort ihren Schlüssel erhalten haben, holen sie ihren gewünschten Wagen im angeschlossenen Parkhaus ab. Bei der Rückgabe geben alle Kunden ihr Auto an der gleichen Stelle ab. Dank moderner Technik wird es dann wiedervermietbar gemacht. Bereits beim Passieren der Einfahrt wird der Reifendruck automatisch gemessen, bevor auf einem Fließband Öl und Scheibenwaschwasser überprüft werden und Schaumstoffbürsten, Staubsauger und Zapfsäule ins Spiel kommen. 400 Fahrzeuge kann das Center damit pro Stunde zurücknehmen; 300 sogar so aufbereiten, dass sie an den nächsten Kunden übergeben werden können.
Erst kürzlich hat das Unternehmen mit diesem Service an der Côte d’Azur einen Innovationspreis für die erste Implementierung außerhalb des Ursprungslandes bekommen.
An der Côte d’Azur sind bereits Avis, Hertz, Europcar und Sixt im Mietwagencenter vertreten.
Rani Nguyen
Nizzas teure Leihfahrzeuge
Nizza zählt zu den Städten mit den teuersten Mietautos. Fünf der 24 kürzlich vom ADAC getesteten Urlaubsorte gelten als «sehr teuer» – darunter Nizza, La Rochelle und Ajaccio. Bis zu 130 Euro kostete dort ein Wagen der Kompaktklasse pro Tag. In Nizza verlangte ein Anbieter 46 Euro extra für einen Kindersitz. Auch wenn die Leihwagenpreise zuletzt in Italien um neun und in Frankreich um drei Prozent zurückgegangen sind, zahlt man hier immer noch fast dreimal so viel wie in der Türkei oder auf den Kanaren.
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