27.08.2010 0

Wirtschaft: Die Anzahl der deutschen und österreichischen Besucher ist im ersten Halbjahr 2010 gestiegen

Milliardenquelle Tourismus

20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der Côte d’Azur werden vom Tourismus bestritten, im übrigen Frankreich sind es nur sieben Prozent. Rund vier Milliarden Euro geben die Besucher alljährlich im Süden aus und sorgen damit für 150 000 Arbeitsplätze. Wir sprachen mit der neuen Direktorin des Comité Régional du Tourisme Riviera Côte d’Azur, CRT, über die aktuelle Lage und Zukunftsstrategien.

Brusa Priebe
Eveline Brusa-Priebe in ihrem Büro mit Blick auf Nizzas Flughafen

Eveline Brusa-Priebe strahlt: Endlich leitet eine Frau das Touristenamt der Côte d’Azur. Zwar vorerst nur interimsweise, aber immerhin! Es lag auf der Hand, dass die in Menton gebürtige Expertin zumindest vorübergehend die Nachfolge von Dominique Charpentier antreten würde. Denn kaum jemand kennt die Alpes-Maritimes so wie sie. Vor dreißig Jahren startete sie als Praktikantin beim CRT, damals hatte sie noch Muße für ihr liebstes Hobby, das Klavierspiel. Heute bleibt der ausgebildeten Pianistin dafür keine Zeit mehr.  

Das Comité Régional du Tourisme Riviera Côte d’Azur ist ein Verband von verschiedenen Partnern wie die Region PACA, die größeren Städte des Departements 06 Nizza, Cannes, Antibes, Grasse, aber auch Monaco und der Conseil Général. Der habe gerade drastisch seine jährliche Subvention reduziert, erklärt Brusa-Priebe: «Dafür investiert er in anderen Bereichen, die auch dem Tourismus zugute kommen, wie Straßenbau, öffentliche Verkehrsmittel und Häfen.»

Gespart wird offenbar überall an der Côte d’Azur. Fast scheint es, dass die viel zitierte Krise erst jetzt diese privilegierte Gegend erreicht. Die Tourismuszahlen des ersten Halbjahrs 2010 sind allerdings im Vergleich zu 2009 (minus elf Prozent) ermutigend: Zwar sinkt die Zahl britischer Gäste um weitere sieben Prozent (2009 waren es 19 Prozent), und auch bei den Holländern wird ein Rückgang der Übernachtungen von zehn Prozent verzeichnet. Doch insgesamt meldeten die Hotels Ende Mai einen Aufschwung von sieben Prozent, was die ausländischen Touristen betrifft. Mit 50 Prozent Steigerung steht Österreich an erster Stelle, gefolgt von den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens sowie von Deutschland mit einem Plus von 19 Prozent. 60 Prozent der Touristen an der Côte d’Azur sind Ausländer.

Der Geschäftstourismus liegt Eveline Brusa-Priebe ganz besonders am Herzen, sind doch die Messe- und Kongressteilnehmer als spendierfreudig bekannt. Im vergangenen Jahr war dieser Zweig bei den im Flugzeug Anreisenden um 21 Prozent eingebrochen. Dabei erklären sich bis zu 95 Prozent der in Meinungstests Befragten als sehr zufrieden mit ihrem Aufenthalt an der Côte d’Azur, versichert die CRT-Direktorin.

Doch was ist mit der Freundlichkeit und einem Lächeln in Geschäften und Restaurants? «Ja, das liegt uns Franzosen nicht so, und an der Côte ist es schon besser als im übrigen Frankreich», stimmt Brusa-Priebe zu. «Wir müssen unsere Gäste spüren lassen, dass wir uns um ihr Wohl sorgen.» Mit diesen Worten zeigt sie einen Brief, der gerade vom Ministerium in Paris eingetroffen ist. Thema: «Der Empfang der Touristen in Frankreich ...».

«Ich sehe mich als eine Regisseurin, die dem Gast verschiedene Szenen vorschlägt. Die Côte d’Azur ist so unendlich reich an Kultur, Geschichte, an Freizeitangeboten und Events wie wenige andere Destinationen. Dennoch bleibt die Herausforderung: Der Tourist muss sich zunächst einmal für uns entscheiden», sagt Eveline Brusa-Priebe. Um das zu erreichen, arbeitet das CRT-Team zusammen mit Atout France, ehemals Maison de France, an Marktstrategien, die auf die besonderen Ansprüche und Eigenarten der verschiedenen Länder ausgerichtet sind. «Wir spielen mit dem Kontrast zwischen Strand und Ski, Luxus und Natur. Die Kultur ist und bleibt jedoch ein zentraler Punkt unserer Kommunikation. 2011 stehen Cocteau und Bonnard im Mittelpunkt, in diesem Jahr ist es die Musik.» Eigentlich logisch für eine Klavier-Liebhaberin.                                        

PH

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