24.03.2010 0

Wirtschaft: CCI-Präsident Estève sieht 2010 mit zaghaftem Optimismus entgegen

Morgendämmerung an der Côte?

Es stimmt: Die Wirtschaftskrise ist mit der Côte d’Azur sanfter umgegangen als mit dem Rest der Welt. Doch ganz ungeschoren kam auch diese sonst so privilegierte Gegend nicht davon: Das Departement Alpes-Maritimes meldete 2009 bei 442 499 Arbeitsplätzen neun Prozent Arbeitslosigkeit. Der Tourismus in der Region PACA verzeichnete 1,3 Millionen weniger Übernachtungen. Trotz negativer Zahlen gibt sich der Präsident der Industrie- und Handelskammer Nice Côte d’Azur (CCI), Dominique Estève, im RCZ-Interview optimistisch für 2010.

Estève
CCI-Präsident Dominique Estève

RCZ: Wie sehen Sie die wirtschaftliche Entwicklung der Region für 2010?

Dominique Estève: Im vergangenen Jahr haben die Unternehmen in den Alpes-Maritimes drei Prozent weniger Arbeitsstellen und 6,5 Prozent weniger Umsatz verzeichnet. Doch für 2010 ist Hoffnung in Sicht. Bereits jetzt hat die Zeitarbeit erstmals wieder zugenommen, die Auftragsbücher sind ein wenig besser gefüllt. Auch der Flugverkehr meldet einen leichten Zuwachs. Wir müssen jedoch zumindest das Ende des zweiten Quartals abwarten, um zu sehen, ob sich diese zaghaften Lichtblicke auch wirklich bestätigen.

Worauf sollten sich die Firmen in diesem Jahr einstellen?

In einem lokal wie international immer noch unsicheren Kontext gilt es, flexibel und innovativ zu sein. Dabei geht es nicht nur um neue Produkte oder die Verbesserung von Arbeitsprozessen. Vielmehr muss das gesamte Geschäftsmodell einer Firma überdacht werden. Nur so kann sie sich in einem ständig und immer schneller wechselnden Umfeld behaupten. Dazu gehören auch Organisation und Marketing, Informationstechnologien und Kundenverwaltungsprogramme. Nicht zu vergessen die Herausforderungen, die die nachhaltige Entwicklung mit sich bringt. Sie sollte nicht als zusätzliche Belastung, sondern als Gelegenheit angesehen werden, um sich von den Mitbewerbern abzuheben. Ein konkretes Beispiel ist die prekäre Situation der Côte d’Azur, was die Stromversorgung betrifft. Dieses Problem ist eine Chance für auf Elektrizitätsverbrauch und erneuerbare Energien spezialisierte Firmen.

Was wird getan, um die wirtschaftliche Entwicklung der Region zu fördern?

Zusammen mit den wichtigsten wirtschaftlichen Akteuren des Departements – Präfektur, Banque de France, Oséo, Direktion der öffentlichen Finanzen, Bankenverband Frankreich, Urssaf und die Handelsgerichte – hat die CCI Nice Côte d’Azur mehrere Anlaufstellen eingerichtet, um den Unternehmen zu helfen. Bis heute haben 230 in Schwierigkeit geratene Firmen die speziell für solche Fälle geschaffene Telefonnummer 0820 422 222 in Anspruch genommen. Neben begleitenden Aktionen zur Unterstützung von Betrieben jeder Art verfolgen wir auch eine signifikative Investitions-Politik. Die CCI Nice Côte d’Azur stellt also eine Schnittstelle und ein Relais von Aktionsplänen der Regierung dar.

Was sind die nächsten wichtigen Projekte?

Essentiell sind die Expansion und Renovierung der verschiedenen Kongresszentren in Nizza, Cannes und Antibes. Qualität, Service und Kapazität müssen dem Niveau der Messen und Kongressen entsprechen. Der Geschäftstourismus ist und bleibt ein wichtiger Motor unserer Wirtschaft.
In Sophia-Antipolis ist die Fertigstellung des Campus der Skéma Business School für Ende des Jahres vorgesehen.

Bevor Ecovallée, das ehrgeizige Projekt eines Kompetenzzentrums für erneuerbare Energien, starten kann, müssen zunächst einmal die Arbeiten zur Eindämmung von Überflutungsgefahr in der Var-Ebene nahe Nizzas Flughafen verwirklicht werden.

Eine Entscheidung bezüglich des Langstreckenzugs LGV sollte Ende 2009 fallen. Dieses Projekt ist von vitaler Bedeutung für die Côte d’Azur und darf sich nicht auf die Region PACA, Provence-Alpes-Côte d’Azur, beschränken. Der LGV muss auch in östliche Richtung fahren und kann so von einer EU-Finanzierung profitieren. Denn dieses Projekt betrifft nicht nur den französischen Staat und die Gemeinden, sondern auch Monaco und Italien. Mit der Realisierung würden sich neue Verbindungswege nach Nord- und Osteuropa öffnen. Es wird zurzeit von französischer Seite untersucht, wie weit dieses Vorhaben für die Öffentlichkeit nützlich ist.

Das Interview führte Petra Hall

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