10.01.2012 1

Wirtschaft: Die RCZ sah sich in Frankreich und Italien um: ein Jubiläum zwischen Skepsis und Nostalgie

Zehn Jahre «Euro»: Grund zum Feiern?

Immer diese Fummelei. Kaum liegt die Grenze zwischen Deutschland, Frankreich oder Italien hinter uns, geht die Suche nach dem zweiten Geldbeutel los. Franc oder Lire statt Mark, das war die Devise. Bis vor zehn Jahren, als der Euro die Währungsgrenzen niedergerissen hat.

Merkozy
Warten wir mal ab, wohin das Duo «Merkozy» den Euro noch führt ...

Seitdem reicht ein Geldbeutel völlig aus.

42 Prozent der Deutschen und der Franzosen glauben, es ginge ihrem Land besser, wenn es nicht den Euro eingeführt hätte. Das hat der amerikanische Nachrichtensender CNN in einer Umfrage herausgefunden, die am dritten Advent 2011 in «Sonntag aktuell» veröffentlicht wurde. Das spricht für die Skepsis, die der 2002 eingeführten paneuropäischen Währung entgegengebracht wird, die gerade zum Jahreswechsel unter dem schwersten Beschuss ihrer jungen Geschichte steht.

42 Prozent Skeptiker auf beiden Seiten des Rheins. Vielleicht sind es Menschen, die nur ganz selten das Nachbarland besuchen. Wer regelmäßig zwischen Baden-Württemberg und der Provence pendelt, weiß den Luxus zu schätzen, mit einem einzigen Geldbeutel auszukommen. Das Umtausch-Theater ist längst vergessen, die Preise in beiden Ländern sind ohne höhere Mathematik sofort vergleichbar.

Natürlich gibt es dabei jede Menge böser Überraschungen.

Die RCZ ist in ihrer Ausgabe vom März 2010 dem Riesen-Unterschied zwischen der offiziellen und der gefühlten Inflationsrate nachgegangen. Die Statistik hat damals eine Teuerung von 18 Prozent in acht Jahren nachgewiesen.

Aber im Einkaufskorb der staatlichen Behörden liegen eben Waren, die im Alltag nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Wenn die Preise für Butter, Kartoffeln, Konfitüre oder Speckwürfel über zehn Jahre lang stabil geblieben sind, sind die Gebühren fürs Telefonieren in den Keller gerauscht. Wer im Jahr 2000 noch Monatsrechnungen in Höhe von über 3000 Francs für Gespräche mit Deutschland vom französischen Monopolisten bekommen hat, reibt sich heute die Hände: Mit der richtigen Flatrate kostet dasselbe Vergnügen heute höchstens 50 Euro, also knapp 330 Francs. Das ist ein bisschen mehr als ein Zehntel der Kosten, die vor zehn Jahren angefallen sind.

Der Euro ist allerdings auch nicht der Hauptgrund dafür, dass die Preise für Computer sehr viel günstiger sind als am Anfang des dritten Millenniums. Ein Computer mit zehnmal mehr Leistung kostet heute nicht einmal die Hälfte des Betrags, der vor zehn Jahren verlangt wurde. Und weil die digitale Revolution natürlich auch die Fotografie erreicht hat, sind die Kosten für bunte Urlaubsbilder auf einen Bruchteil geschrumpft. Der Dia-Abend findet heute vor dem Computer statt und kostet weder einen Pfennig noch einen Centime.

Vom Telefonieren oder von Urlaubsfotos wird aber niemand satt. Deswegen schlagen die Preiserhöhungen seit der Euro-Einführung besonders im Lebensmittelbereich auf den Magen. Wer heute ein Kabeljau-Filet ersteht, weint an der Kasse, wenn er im Vergleich zu 2002 gut 65 Prozent Aufschlag bezahlt. Glatt das Doppelte wird los, wer dazu ein paar frische Tomaten essen möchte, und wer auf Fleisch steht, zahlt laut dem  französischen Statistik-Institut Insee heute mindestens ein Drittel mehr als vor zehn Jahren.

Die offizielle Inflation wird in vielen Bereichen überschritten, wenn es um das tägliche Leben geht. Autobahngebühren sind schon ohne die nächste Erhöhung im Jahr 2012 um über 50 Prozent gestiegen. Der Staat greift zudem immer tiefer in die Taschen seiner Bürger: Grund- und Wohnsteuer sind Ende 2011 so deftig erhöht worden, dass in Städten wie Marseille die Mieter oder Eigentümer vor dem finanziellen Kollaps stehen. Trotz Finanzkrise sind die Immobilienpreise seit zehn Jahren so stark gestiegen, dass der Wohnungskauf nur noch einer kaufkräftigen Minderheit möglich ist.

Dabei loben alle Finanzexperten trotz der aktuellen Krise den Euro, weil er die Inflation im Zaum gehalten haben soll.

Längst vorbei sind tatsächlich die Zeiten, als Frankreich seine Währung regelmäßig gegenüber der D-Mark abwertete, von einer Reise bis zur nächsten für Deutsche alles billiger wurde.

Der Euro hat für Ernüchterung gesorgt, ist aber zumindest im Bewusstsein von Menschen, die laufend zwischen beiden Ländern pendeln, verankert. Praktisch niemand hat bemerkt, dass vor zwei, drei Jahren auf den Kassenbelegen die Umrechnung von Euro in Francs verschwunden ist. Mitte August 2009 hat zum Beispiel das Granet-Museum in Aix den Preis für einen Kunstkatalog in Höhe von 39 Euro noch in 255,82 Francs umgerechnet, während der Supermarkt um die Ecke das Rechenexempel stillschweigend eingestellt hatte.

Der zweite Geldbeutel ist übrigens nicht in der Schublade verschwunden. Bei einer Reise über die Schweiz ist es angenehm, wenigstens ein paar Franken im Portemonnaie zu haben, um an der Autobahn einen Espresso oder einen Cappuccino zu trinken, ohne gleich den Aufschlag auf das zwischen Deutschland und Frankreich längst vergessene Umtausch-Theater zu bezahlen.

Peter Bausch

Lesen Sie auch: 10 Jahre Euro in Italien

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Kommentare

Kommentar von Gitte06 | 01.01.2012

http://www.youtube.com/watch?v=S8kj4JBf-W0
unbedingt schauen ! Zum Schiessen, Merkel/Sarkozy
DINER FOR ONE...

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