17.01.2012 0
Wirtschaft: Die RCZ sah sich in Frankreich und Italien um: ein Jubiläum zwischen Skepsis und Nostalgie
Zehn Jahre «Euro»: Grund zum Feiern? Teil II
Als sie vor zehn Jahren von der Gemeinschaftswährung Europas abgelöst wurde, hatten die verantwortlichen italienischen Politiker die neue historische Chance erkannt und alles daran gesetzt, um in den Klub der Euroväter aufgenommen zu werden.
In den vorausgegangenen Jahrzehnten hatte das politische Projekt eines vereinten Europas bereits durch zahlreiche wirtschaftliche Annäherungsprozesse Form angenommen.
Nachdem die Erzfeinde Frankreich und Deutschland 1950 ihre Kohle- und Stahlproduktion einer gemeinsamen Behörde unterstellt hatten, war der Weg zu weiteren gemeinsamen Abkommen geebnet.
1952 wurde von sechs europäischen Ländern die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) gegründet. Es folgten 1958 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM).
Diese drei Gemeinschaften fusionierten 1967 zur Europäischen Gemeinschaft (EG). Nach der sogenannten Norderweiterung der EG wurden 1979 von den neun Mitgliedsländern das Europäische Währungssystem (EWS) und die gemeinsame Verrechnungseinheit ECU eingerichtet. Mit der Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) wurde 1999 der Euro in elf Ländern als Buchgeld eingeführt. Am 1. Januar 2002 kam er in zwölf der damals 15 EU-Staaten als Bargeld in Umlauf.
Heute, zehn Jahre später, ist der Euro die Währung von 17 der nunmehr 27 Mitgliedsstaaten der EU. Daneben gibt es auch Nicht-EU-Länder, die den Euro benutzen, wie Monaco und der Vatikan.
Die Italiener hätten sich, als sie 2002 anstelle von tausend Lire plötzlich nur noch fünfzig Eurocent ausgeben mussten, über weniger Nullen und kleinere Zahlen auf ihren Rechnungen freuen können. Tatsächlich machte sich jedoch, wie in vielen anderen Euro-Ländern, nach der ersten Euphorie das Gefühl breit, alles sei mit einem Schlag teurer geworden.
Um herauszufinden, warum die italienischen Familien seit 2002 immer weniger Geld in der Tasche haben, hat die Verbrauchergesellschaft Altroconsumo im zehnten Jahr nach der Einführung des Euro in Italien eine groß angelegte Untersuchung durchgeführt.
Das Ergebnis war eine Überraschung: «Wir können nicht sagen, dass der Übergang zum Euro … ein Aderlass für die Verbraucher gewesen sei», so Altroconsumo.
In der Erhebung waren die Ausgaben für alle Waren (Alltagsprodukte und langlebige Gebrauchsgüter) sowie alle Dienstleistungen (Versicherungen, Miete etc.), die ein privater Haushalt im Jahre 2011 tätigen musste, mit denen aus dem Jahr 2002 verglichen worden.
Ausgehend von Zahlen des amtlichen Statistikamtes Istat stellte sich heraus, dass die Italiener in den letzten zehn Jahren ärmer geworden sind. Die Kaufkraft ist in den Familien um 7 Prozent zurückgegangen, weil die Löhne (+14 Prozent) nicht mit der Inflation (+21 Prozent) Schritt gehalten haben.
Die Inflation gilt als Indikator der Lebenshaltungskosten im Vergleich zum Preisanstieg. Die Preisentwicklung der verschiedenen Waren und Dienstleistungen wurde im Einzelnen analysiert.
Zwischen 2002 und 2011 sind zum Beispiel Lebensmittelpreise im Schnitt um 25,3 Prozent, also nur wenig stärker als die Inflation gestiegen.
Eine erhebliche Verteuerung haben dagegen Wasser (+52 Prozent), Benzin (+35 Prozent) und Transportmittel (zwischen +34 und +147 Prozent) erfahren.
Für Preisanhebungen dieser Höhe konnten spezifische Faktoren wie Spekulation (wie bei Getreide) und Monopolstellung (wie bei den Energieversorgern) ausfindig gemacht werden.
Wo hingegen eine Liberalisierung des Marktes und echte Konkurrenz stattfanden (zum Beispiel bei pharmazeutischen Produkten oder in der Informations- und Kommunikationstechnologie), sind die Preise um 28 Prozent beziehungsweise zwischen 41 und 73 Prozent gesunken.
Auch in den Branchen Textilien (+17,9 Prozent), Möbel (+20,5 Prozent), Freizeit und Kultur (+10,9 Prozent) sowie Gesundheit (+2,8 Prozent) ist der Preisanstieg zum Teil weit unter der Inflationsrate geblieben. Im landesweiten Vergleich sind ebenfalls regionale Unterschiede und das Stadt-Landgefälle berücksichtigt worden.
Zum zehnten Jahrestag des Euro wollte die italienische Verbraucherberatung dazu beitragen, ihm den Makel des «Teuro» zu nehmen. Heute weiß man, dass sein schlechter Ruf auch von den Firmen und Dienstleistern mitverantwortet wurde, die noch kurz vor dem Wechsel auf den Euro ihre Preise erhöht hatten.
Wie allerdings die Zukunft der Eurozone aussehen wird und ob sich jemals das Loch in den Taschen der Italiener stopfen lässt, darauf kann wohl derzeit niemand eine klare Antwort geben.
Rita Braun-Raabe
Lesen Sie auch: 10 Jahre Euro in Frankreich.
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