02.01.2010 0

Kolumne: Unter uns gesagt...

Identitätsfrage

Die Präfektur des Departements Alpes-Maritimes hatte mich Mitte Dezember zu einer Debatte geladen, deren Thema zurzeit in vielen europäischen Ländern heiß diskutiert wird: die nationale Identität. Als Ausländerin in Frank-reich sollte ich meine Eindrücke darlegen.

Kein Problem, dachte ich mir, schließlich habe ich zwei Drittel meines Lebens in Italien und Frankreich verbracht, besitze die deutsche und italienische Staatsangehörigkeit, bin also durch und durch Europäerin.

Um so unerwarteter trafen mich die explosiven Emotionen der Anwesenden im Saal. Menschen aller Hautfarben und Altersgruppen, die – manche mit tränenschwerer Stimme – ungeschminkt und schonungslos ihre französischen Nationalgefühle entblößten. Der allgemeine Tenor: Das höchste Gut auf Erden ist es, Franzose zu sein.

Europa war an jenem Abend in Nizza so weit weg wie ein noch nicht entdeckter Kontinent.
Auch in Italien schwelt es. In dem beschaulichen Städtchen Finale Ligure schlug die nicht bestätigte Nachricht des Baus einer Moschee und eines Koran-Lehrzentrums wie eine Bombe ein. Die Ligurier reagierten mit extremer Aggressivität. Nackte Angst spricht aus den vielen Internet-Kommentaren, Unwissen und Vorurteile kommen hinzu. Mehr lesen Sie auf Seite drei und vierzehn.

Die Globalisierung fordert unerbittlich ihren Tribut, selbst in den schönsten Winkeln dieser Region.
Mit nachdenklichen, aber unvermindert herzlichen Neujahrswünschen, Ihre Petra Hall

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