09.02.2010 0

Kunst & Kultur: Im Rennen um den Oscar als bester fremdsprachiger Film konkurriert eine deutsche mit einer französischen Produktion

Nazi-Generation gegen Prophet

Die Jagd um den Oscar geht in die spannende Phase. Seitdem vergangene Woche die Nominierungen für die 82. Academy Awards bekannt gegeben wurden, steht fest, dass zur diesjährigen Verleihung in der Kategorie «Bester nicht-englischsprachiger Film» ein deutscher und ein französischer Film als vermutlich schärfste Konkurrenten gegeneinander antreten.

Filmplakate «Das weiße Band» und «Un prophète»
Deutsch-französischer Wettkampf um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film: «Das weiße Band» und «Un prophète»

Bereits in den vergangenen Wochen und Monaten lieferten sich die beiden Streifen einen spannenden Wettkampf um die begehrtesten Filmpreise dieser Welt. Während «Das weiße Band» – ein intellektuell anspruchsvolles Drama des österreichischen Regisseurs Michael Haneke – in Cannes mit der «Palme d’Or» ausgezeichnet wurde, erhielt Jacques Audiards Knastepos «Un prophète» bei den Filmfestspielen in der südfranzösischen Hafenstadt mit dem «Großen Preis der Jury» immerhin noch den zweitwichtigsten Preis. Auch bei der Verleihung der Golden Globes hatte die französische Produktion das Nachsehen, konnte sich dafür aber Anfang Dezember bei der Vergabe des US-amerikanischen National Board of Review gegen den deutschen Beitrag durchsetzten.

Noch ist nicht abzusehen, ob «Das weiße Band» oder doch «Un prophète» die Oscar-Jury überzeugen wird, auch wenn die deutsche Produktion unter Kritikern vielfach als Favorit gehandelt wird. Hollywoods Vorliebe für rabiate Stoffe, die sich bei den diesjährigen Nominierungen und Filmen wie «Avatar», «Inglorious Basterds» oder «The Hurt Locker – Tödliches Kommando» stärker denn je zeigt, entsprechen beide Werke auf ihre Weise.

Hanekes Schwarzweiß-Film, der von Kindesmisshandlungen und mysteriösen Unfällen in einem (fiktiven) norddeutschen Dorf um 1913/1914 erzählt, handelt zwar vordergründig von Autorität, Demütigung und Unterdrückung, will aber viel mehr auf die Folgen der repressiven Erziehung vor dem Ersten Weltkrieg hinweisen und einen Erklärungsansatz für angestaute Aggressionen und den Faschismus als frühkindliche Prägung liefern. Damit punktet Deutschland in Hollywood wieder einmal mit einem dunklen Kapitel der eigenen Geschichte.

Aber auch der Film von Jacques Audiard kann in Hinblick auf das Gefängnis-Sujet als typisch französisch bezeichnet werden. Das Krimi-Drama handelt von dem 19-jährigen Malik, einem Franzosen maghrebinischer Abstammung, der als kompletter Analphabet zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wird. Zunächst völlig auf sich allein gestellt, nimmt ihn César Luciano unter seine Fittiche, der als Anführer einer korsischen Mafia-Gang den gesamten Knast kontrolliert. Malik wird gezwungen, zu morden und Missionen für die Korsen zu erledigen. So gewinnt er an Schutz und Vertrauen. Gleichzeitig arbeitet er in die eigene Tasche, baut seinen Drogenring auf, spielt verfeindete Clans gegeneinander aus, steigt zum einflussreichen Kriminellen auf und hat zu seiner Entlassung den alternden Luciano in den Schatten gestellt.

Welcher der beiden Filme letztendlich die begehrte Trophäe erhält oder ob es doch einen lachenden Dritten gibt, wird sich am 7. März im Kodak Theatre herausstellen. Auch die Streifen «Ajami» (Israel), «El Secreto de Sus Ojos» (Argentinien) und die peruanische Produktion «The Milk of Sorrow» machen sich Hoffnungen, zum besten «ausländischen» Film gekürt zu werden.

 

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