02.02.2010 0
Menschen & Lifestyle: Remo Girone spielt Pius XII. im neuen ARD-Zweiteiler
Papst und Mafioso in einer Person
Ich habe eine Verabredung mit dem eiskalt berechnenden Gangster Tano Cariddi. Und gleichzeitig mit dem umstrittenen Papst Pius XII. Zwei markante Persönlichkeiten, die der italienische Schauspieler Remo Girone in den Filmen «Allein gegen die Mafia» und «Gottes mächtige Dienerin» glaubwürdig verkörpert.
Girone erwartet mich in der Altstadt von Monaco, wo er seit vielen Jahren seinen zweiten Wohnsitz hat. Wir gehen in sein Lieblingscafé. Hier treffen sich die einheimischen Boules-Spieler, weitab vom Touristenstrom.
Erst vor wenigen Tagen ist er von den Dreharbeiten seines letzten Films mit Christine Neubauer hierher zurückgekehrt. «Zum Ausruhen», wie er sagt. Seine letzte Szene in dem Fernsehstreifen «Gottes mächtige Dienerin», der demnächst in der ARD gezeigt wird, drehte er in München, «unter strömendem – künstlichem – Regen. Christines Nonnenkleid saugte sich voll und wurde immer schwerer», erinnert sich Remo Girone. Aber auch für ihn waren die Aufnahmen in Krefeld, München, Berlin und Rom sehr anstrengend.
Um die kontroverse Gestalt des später zum Papst Pius XII. ernannten Eugenio Pacelli überzeugend darzustellen, nahm er erst einmal sechs Kilo ab. «Ich habe keine große Ähnlichkeit mit Pacelli», sagt er. Aber so stimmen wenigstens die Züge besser überein.» Dann kniete er sich vollkommen in seine Rolle: Er sah sich viele Filmdokumente über den Papst an, um seine Gestik zu studieren. Er setzte sich mit dem Inhalt der Gebete auseinander.
Ein Vatikanexperte half den Schauspielern, sich in die historischen Figuren und die damalige Kulisse hineinzuversetzen. Authentizität wurde groß geschrieben bei diesem Spielfilm.
Man merkt es Remo Girone an, dass er die Person des Eugenio Pacelli noch in sich spürt. «Der Papst musste über Millionen Menschenleben entscheiden. Er war ein von seinem Gewissen gepeinigter Mann. Das will ich in meiner Rolle herüberbringen. Ich glaube aber auch, dass ‘Gottes mächtige Dienerin’ einige Polemik hervorrufen wird.»
Der in Äthiopien geborene Schauspieler wurde zwar katholisch erzogen, ist jedoch nicht praktizierender Gläubiger. «Aber es fiel mir nicht schwer, in diese historische Figur hineinzuschlüpfen.» Begeistert äußert er sich über die Zusammenarbeit mit Christine Neubauer: «Sie ist perfekt fü diese Rolle. Ich kannte sie vorher nicht und finde sie sehr sympathisch.»
Er ist überzeugt, dass der Film ein vorurteilsfreies und sachliches Bild des Pontifikats von Pius XII. wiedergibt.
Remo Girone hofft, dass der Streifen am TV-Festival von Monte Carlo teilnehmen wird. Im Jahr 2004 hatte mit Jo Baiers «Stauffenberg» erstmals eine deutsche Produktion als Eröffnungsfilm fungiert. Girone spielte darin den Offizier Ludwig Beck.
Regisseur Jo Beier war es auch, der Remo Girone für «Gottes mächtige Dienerin» vorgeschlagen hatte. «Ich war darüber sehr glücklich», so der 68-jährige Wahlmonegasse. Selbst nach einer über 40-jährigen Theater- und Filmkarriere und vielen Traumrollen nimmt er nichts als gegeben hin: «Mein Herz hat vor Freude einen Sprung gemacht.»
P. Hall
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