16.02.2010 1
Provence & Côte d'Azur: Tote und Verletzte auf Küstenwegen - wer ist verantwortlich?
Mörderwellen
Dann, gegen 16 Uhr, das Drama: Innerhalb kurzer Zeit werden sechs Menschen von meterhohen Wellen ins Meer gerissen, unter ihnen auch eine österreichische Familie aus Innsbruck-Land. Alle können gerettet werden, eine 28-jährige Frau aus Nizza stirbt jedoch wenig später an Herzversagen.
«Die Welle kam völlig überraschend, da sich Familie B. zu diesem Zeitpunkt relativ weit vom Meer weg befand», so der österreichische Außenamtssprecher Harald Stranzl gegenüber der Presse.
Ende Dezember waren bereits zwei Frauen, Mutter und Tochter, am Coco Beach in Nizza ins Meer gespült und von der Feuerwehr schwer verletzt an Land gebracht worden. In Marseille wurden zwei Menschen Opfer der Mörderwellen.
Den Einheimischen der Riviera ist das Phänomen anormal hoher Wogen seit jeher ein Begriff. Wanderfreak Josée C. zur RCZ: «Wenn das Meer aufgewühlt ist, gehe ich nie nach Cap Ferrat. Das ist viel zu gefährlich!»
Was aber ist mit all den Besuchern, die sich nicht so gut auskennen? Gewiss, auf den meisten Küstenwegen wird mehrsprachig davor gewarnt, diese bei schlechtem Wetter zu betreten.
Aber ist das ausreichend? Erst nachdem das Meer zugeschlagen hatte, reagierten die Gemeindeverwaltungen: Der sentier littoral von Cap Ferrat wurde ebenso wie die Promenade des Anglais in Nizza abschnittsweise für Fußgänger gesperrt. Das allerdings hielt eine Reihe von Unverantwortlichen nicht davon ab, Barrieren und Verbote zu ignorieren.
Die RCZ sprach mit Benoit Kandel, Sicherheits-Verantwortlicher der Stadt Nizza, über mögliche Vorsichts-Maßnahmen. «Im Sommer sind in Nizza zwölf Rettungsstationen und eine permanente Küstenwache aktiv, im Winter nur eine», erklärt Kandel.
Wer sorgt dafür, dass Meerespromenaden rechtzeitig gesichert werden? «Wir erhalten Wetterwarnungen von GALA (Gestion Alerte Locale Automatisée), der Bürgermeister entscheidet dann, was zu tun ist. Die Polizei ist in Alarmzustand und nimmt entsprechende Absperrungen vor. Es ist jedoch nicht leicht, die 50 Küstenzugänge unserer Stadt zu überwachen. Die Menschen müssen auch Eigenverantwortung übernehmen.»
Doch damit sind viele offensichtlich überfordert. Die Strafe bei Zuwiderhandlung ist außerdem vollkommen lächerlich: Elf Euro zahlt jeder, der die Vorschriften missachtet.
Bleibt die Frage, warum die Gemeinde Saint-Jean-Cap-Ferrat ihren sentier littoral nicht schon am Neujahrsmorgen schloss, zumal er auf der Westseite nur über zwei Zugänge verfügt. Eine Stellungnahme wollte man uns im Rathaus nicht geben.
Petra Hall
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Kommentar von Kristian Wannagat | 18.02.2010
Auch wir gehen gerne am "sentier littoral" wandern. Beim nächsten Mal werden wir noch vorsichtiger sein!
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