05.02.2010 0
Schulen & Universitäten: EURECOM in Sophia-Antipolis bildet europäische Ingenieure aus
Außenstelle mit Pionier-Charakter
Phantastereien, sagen Sie? Kaum: An der Hochschule für Telekommunikationstechnologie und technische Informatik EURECOM in Sophia-Antipolis (Alpes-Maritimes) tüfteln Studenten und Professoren an just solchen Visionen. «In zwei bis fünf Jahren sind wir mit der Auto-Kommunikation soweit», wagt EURECOM-Direktor Ulrich Finger eine vorsichtige Prognose.
Der Deutsche leitet die vor fast 20 Jahren gegründete außergewöhnliche Ingenieurs-Schmiede seit mittlerweile zehn Jahren und treibt unermüdlich deren Idee voran: die Studenten fit zu machen für den europäischen Markt. Zu seinen jüngsten Coups gehört der Abschluss der lange angestrebten Partnerschaften mit der Technischen Universität München und BMW. Und damit tat sich das neue Forschungsfeld auf.
«Bei uns entwickeln Studenten konkrete Produkte», erläutert der Professor für Computer-Architektur. Klein und familiär ist EURECOM, absolut international ausgerichtet und auch sonst schlecht zu vergleichen mit einer herkömmlichen Hochschule. Äußerst erfolgreich geforscht und gelehrt wird in allen drei Fachgebieten «Mobile und fixe Netze», «Sicherheit von Netzen» (zum Beispiel von sozialen Netzwerken) und «Multimedia».
Hier in die südfranzösische «Außenstelle» kommen die besten Studenten der Partner-Unis aus Paris, Lausanne, Helsinki, Turin, Trondheim und München, um ihren Master-Abschluss zu machen – insgesamt nicht mehr als 80 pro Jahr. Nach 18 intensiven Monaten, Unterrichtssprache Englisch, wird ihnen das Diplom verliehen. (Gegen entsprechende Bezahlung werden auch «Externe» angenommen, die nötige Qualifizierung vorausgesetzt.)
Neben der Internationalität auf akademischer Ebene bestechen die Namen der Industrie-Partner: Neben BMW zählen etwa Thales, Symantec, SAP, Orange und Monaco Télécom zu den Unternehmen, die gemeinsam das Projekt EURECOM bilden.
Damit ist das eigentlich so einfache wie geniale Hochschul-Modell erklärt. Das französische Industrieministerium trägt ein gutes Drittel der Kosten von EURECOM, Verträge mit der Industrie sorgen für rund 50 Prozent der erforderlichen Mittel, und eine Art jährlicher Mitgliedsbeitrag von akademischen und Industriepartnern deckt die darüber hinaus benötigten Summen.
Doch gerade die ungewöhnliche Struktur, die so besondere Chancen biete, steht EURECOM oft im Wege, so Direktor Ulrich Finger: «Wir müssen immer wieder betonen, dass wir eine öffentliche Mission erfüllen, obwohl wir eine private Struktur haben.» Finger forciert seit Jahren etwa eine engere Zusammenarbeit mit Deutschland – «weil Frankreich und Deutschland für mich die treibenden Kräfte auf dem Gebiet der Kommunikationstechnik sind». Noch mangele es an Austausch unter Ingenieuren in Europa, und speziell deutsch-französisch ausgebildete gebe es gleich gar nicht.
Immerhin: Das zurückliegende war ein sehr erfolgreiches Jahr für EURECOM. Neben neuen Partnerschaftsverträgen unter anderem mit der New York University sowie Symantec (dahinter verbirgt sich zum Beispiel «Norton Anti Virus») konnte ein wichtiger Kontakt zum deutschen Bildungs- und Forschungsministerium geknüpft werden. «Das Interesse an unserer Idee ist geweckt», zeigt sich Finger zuversichtlich, dass auch die Bundesregierung sich künftig an EURECOM beteiligt.
Und im vergangenen Dezember wurde endlich der Grundstein fürs lange herbeigesehnte neue Gebäude gelegt: Ab 2012 soll ein 7000 Quadratmeter-Bau auf dem STIC-Campus neben den Gebäuden der Universität Nizza-Sophia-Antipolis EURECOM eine Verdopplung der jährlich angenommenen Studenten auf bis zu 200 ermöglichen.
Info: www.eurecom.fr
Aila Stöckmann
ZAHLEN & FAKTEN
- 70 Prozent der insgesamt 22 Professoren sind Ausländer
- Mehr als 50 Prozent der Studenten kommen nicht aus Frankreich
- Anteil Studentinnen: 15 bis 20 Prozent
- 80 Studenten pro Jahrgang im Master-Studiengang, insgesamt 160
- Dazu insgesamt 65 Doktoranden
- 70 Angestellte: je etwa ein Drittel Professoren, Ingenieure/ Techniker und Verwaltungsangestellte
- 30 Prozent der Fächer sind nicht technischer Natur, Pflicht sind z.B. zwei Fremdsprachen
- Studiengebühren: 450 Euro pro Semester. Studenten, die von keiner Partner-Uni kommen, zahlen 3000 Euro (Europäer) bzw. 10 000 Euro (Nicht-Europäer) für den Master-Abschluss.
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