28.12.2009 0
Wirtschaft: In einer weitläufigen Parklandschaft bei Antibes pulsiert Europas wichtigstes Hochtechnologie-Entwicklungs-Zentrum «Sophia Antipolis». Nun feiert es seinen vierzigsten Geburtstag. Von Rolf Palm
Lauter High-Tech im grünen Bereich
Das ist ein Stück Côte d’Azur, das so gar nicht zum gewohnten Postkartenbild passen will. Unweit Antibes mit seinem Touristenstrand und Yachthafen, mit seinen romantischen Gassen und Straßencafés, nur wenige Kilometer ins Hinterland hinein, finden wir das Techno-Wunderland Sophia Antipolis.
Die Hinweisschilder nennen fast alles, was in der großen High-Tech-Welt blinkt und klingelt, klickt und computert. Wir lesen Siemens und Texas Instruments, SAP und Infineon, M2M und 3Roam, Orange Lab und Orange Business Services, Schneider Electric und Hewlett-Packard.
Dann Chemiker wie Bayer und Dow Chemicals, plus eine Galaxie von Biotech-Firmen und -Entwicklern. Plus «Ama-deus», der weltgrößte, welt-umspannende Computer für Fluggast-Reservierungen (auch Ihr Ticket läuft da durch). Allein um ihn agieren 2000 Mitarbeiter.
Techno-Wunderland im Park
Auch W3C ist hier daheim, das World Wide Web Consortium, das, vom Internet-Erfinder Tim Berners-Lee geleitet, die Standards entwickelt, die Internet-Surfen überhaupt erst möglich machen (wie «http» und «www»).
Insgesamt haben hier in 1400 Unternehmen über 30 000 Menschen ihre Arbeitsplätze.
Außerdem beherbergt das Techno-Wunderland noch Ableger von Universitäten, die internationale Wirtschaftsschule CERAM und Institute wie das staatliche französische Forschungszentrum CNRS. Da sind noch mal 4500 Wissenschaftler und Studenten tätig.
Aber Sie können kreuz und quer und stundenlang durchs «Sophia Antipolis»-Gelände fahren, joggen oder auch spazieren – und glauben sich immer noch in einem wohl-gepflegten Park mit hohen Bäumen und grünen Wiesen.
Das kommt, weil die Gebäude der Technopole weit verstreut in einem über 4000 Hektar großen, leicht bewaldeten, sanft hügeligen Areal der Naturschutzgebiete von Valmasque und La Brague liegen.
Lebendiger Beweis, dass Natur/Umwelt und Technologie auch einmal eine gute Ehe eingehen können.
Die Kopfgeburt eines Mannes
Pierre Laffitte, Senator für das Departement Alpes-Maritimes (übrigens auch Vorsitzender des «Deutsch-Französischen Vereins für Wissenschaft- und Technologie», AFAST, Alliance Française-Allemande pour les Sciences et la Technologie), war Leiter der Staatlichen Bergbau-Hochschule in Paris, als er 1969 das Konzept der «Hochtechnologie im Grünen» erfand.
Es war nicht leicht, wie man sich denken kann, ein halbes Hundert zuständiger Behörden für ein solches, damals waghalsiges Projekt zu begeistern. Und fünf Gemeinden mussten auch überredet werden, Grund und Boden dafür herzugeben (Valbonne, Biot, Mougins, Vallauris und Antibes – eben das vor über 2000 Jahren gegründete «Antipolis»).
«Schon Ende der Sechziger Jahre», sagt Laffitte heute, «waren wir von der Unausweichlichkeit der Globalisierung überzeugt. Und ebenso davon, dass die Entwicklung unserer sogenannten kleinen grauen Zellen (la matière grise) ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Zukunft unserer Region sein würde.»
Heute, nach 40 Jahren, sieht alle Welt, wie Recht er hatte.
Und auch Senator Pierre Laffitte feiert nun einen runden Geburtstag. Am 1. Januar wird er 85.
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